07.03.2017 
Wettlauf um Elektroauto-Batteriefabriken in Europa

Ex-Tesla-Manager wollen Skandinavien zum Akku-Hotspot machen

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Kanzleramtsminister Peter Altmaier wünscht sie sich von der deutschen Autoindustrie. Die Betriebsratschefs von Volkswagen und Daimler machen sich seit langem für sie stark. Auch der ehemalige SAP-Chef Henning Kagermann, heute Vorsitzender des Interessensverbunds Nationale Plattform Elektromobilität, spricht sich dafür aus.

In seltener Eintracht fordern Politiker, Gewerkschafter und Industrievertreter, dass die Autohersteller Batteriefabriken für Elektroautos auf den Weg bringen. Derzeit kaufen diese die Lithium-Ionen-Zellen, die in den Elektroauto-Akkus verbaut werden, von asiatischen Herstellern zu - mit dem Argument, dass sich eine Zellfertigung in Europa bislang einfach nicht lohne.

Doch nun dürfte die deutsche Autoelite durchaus gespannt auf ein Projekt in Skandinavien blicken. Dort lässt ein Newcomer mit einem gewagten Plan aufhorchen: Northvolt, ein von zwei ehemaligen Tesla-Managern gegründetes Startup, will in Skandinavien Europas erste Groß-Fabrik für Elektroauto-Zellen hochziehen. Das berichtet die "Financial Times" (FT).

Vier Milliarden Dollar soll das Werk kosten, das bereits 2020 seinen Betrieb aufnehmen soll. Drei Jahre später soll es einen jährlichen Zellen-Output von 32 Gigawattstunden schaffen, Teslas gemeinsam mit Panasonic betriebene Gigafactory in Nevada soll ab 2020 Akkus im Umfang von 35 Gigawattstunden pro Jahr produzieren.

Warum die Autohersteller bei eigenen Batteriefabriken zögern

Zwar gibt es in Europa von Zulieferern erste Anläufe für eine Zellfertigung: LG Chem baut ein vergleichsweise bescheidenes Zellwerk in Polen, Samsung in Ungarn. Und der US-Elektroautohersteller Tesla, der in Nevada eine große Batteriefabrik mit dem unbescheidenen Namen Gigafactory baut, ist längst auf der Suche nach einem europäischen Standort für eine weitere Batteriefabrik. Der Wettlauf verschiedener Regionen und Städte um ein so prestigeträchtiges Projekt hat längst eingesetzt, wie unsere Übersicht zeigt.

Doch Europas große Autohersteller kaufen bislang die Zellen für ihre Elektroauto-Akkus lieber von asiatischen Zulieferern zu, denn aus ihrer Sicht ist der Aufbau eigener Batteriewerke problematisch. Die hochautomatisierte Herstellung der Zellen erfordert hohe Investments. Zudem ist es schwierig, höhere Stückzahlen mit nur geringem Ausschuss und damit niedrigen Kosten zu fertigen. Das hat Daimler in seinem einstigen Zellenwerk in Kamenz am eigenen Leib erfahren.

Wissenschaftler erproben im Labor bereits neue, leistungsstärkere Zellchemien, die andere Herstellungsweisen als die bisherigen Verfahren erfordern dürften. All das lässt die Autohersteller seit langem zögern.

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Die Northvolt-Gründer ficht das offenbar nicht an - dabei wissen sie durchaus, wovon sie sprechen. Unternehmenschef Peter Carlsson, ein gebürtiger Schwede, war bis Oktober 2015 Teslas Vice President für Sourcing und Lieferketten. Paolo Cerruti folgte Carlsson in dessen Position nach, verließ den kalifornischen Autohersteller jedoch im Februar 2016.

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