18.04.2019 
Erweiterte Funktionen kosten bald mehr

Tesla verteuert Autopiloten - und feiert Erfolge mit dem Model 3

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Seine Nutzung des Kurznachrichtendiensts Twitter hat ihm zwar schon mächtig Ärger mit der US-Börsenaufsicht eingebracht. Doch trotz aller Maulkorb-Erlässe will Elon Musk nicht davon lassen, via Twitter direkt mit Tesla-Kunden, Fans und Interessierten zu kommunizieren. Unlängst hat er wieder einmal einen Satz rausgehauen, der unter seinen Twitter-Followern für Aufregung sorgte: "Bitte beachtet, dass der Preis von Teslas voller Selbstfahr-Option mit der Zeit substanziell steigen wird", schrieb Musk am 13. April. "Das geht ab 1. Mai los", schob Musk noch hinterher.

Die Bedeutung der eher kryptischen Worte hatten Musks Twitter-Follower rasch erfasst: Tesla bietet für sein Assistenzsystem-Paket "Autopilot" ein aufpreispflichtiges Extra an, das laut Tesla "volles Potenzial für autonomes Fahren" ermöglichen soll. Darunter versteht Tesla erweiterte Funktionalitäten des Autopiloten: Eine verbesserte Navigation etwa, die automatische Fahrten auf Autobahnen von der Ein- bis zur Ausfahrt verspricht, eine Einparkautomatik und das "Herbeirufen" des Tesla-Autos auf Parkplätzen.

Noch in diesem Jahr, verspricht Tesla, soll das durchaus umstrittene Autopilot-System auch Ampeln und Stoppschilder erkennen können und damit automatisiert auf Stadtstraßen fahren können. Dafür verlangt Tesla in Deutschland bei seinem Model 3 exakt 5200 Euro mehr als für den Standard-Autopiloten - nach Auslieferung lässt sich der Autopilot für satte 7300 Euro um die Zusatzfunktionen erweitern.

Und diese Extrafunktionen will Musk nun ab 1. Mai teurer anbieten: Für die "Full Self-Driving Capability" verlangt Tesla ab Mai um rund 3000 Dollar mehr, wie Musk auf Nachfrage präzisierte. Der volle Funktionsumfang des Autopiloten wird also künftig um bis zu 60 Prozent teurer verkauft - bei Bestellung noch vor Auslieferung.

Die Preiserhöhung ist ein Hinweis darauf, dass Tesla nun stärker auf die Profitabilität der verkauften Fahrzeuge achtet. Auch die lang versprochene und erst seit März verkaufte Basisversion des Model 3 für 35.000 Dollar lässt sich bei Tesla jetzt nur mehr telefonisch oder in den Tesla-Stores ordern. Im Webshop ist die "Standard" genannte Basisvariante mit knapp 350 Kilometer Reichweite nicht mehr bestellbar. Tesla begründet dies mit der geringen Nachfrage nach der Variante - die etwas teurere "Standard +"-Variante sei sechs mal häufiger bestellt worden als das Basismodell. Man habe deshalb das Angebot auf der Website vereinfachen wollen.

Verwunderlich daran ist allerdings, dass die 35.000-Dollar-Version des Wagens gerade mal vier Wochen lang etwas prominenter angeboten wurde. Zuvor hatte Tesla-Chef Musk schon eingeräumt, dass er mit der billigsten Version des Model 3 Verluste schreiben würde. Der so schnelle Rückzieher der "Standard"-Version auf der Website ist ein Hinweis darauf, dass sich der Verkauf der Basisvariante für Tesla nach wie vor zu wenig rechnet - und das Modell deshalb nicht mehr groß beworben wird.

Teslas Model 3 hängt selbst deutsche Luxus-Mitteklasselimousinen ab

Zahlreiche Tesla-Fans äußerten in sozialen Netzwerken ihren Unmut über die Autopilot-Preiserhöhung. Manche merkten aber auch an, dass nun der Wert ihrer bereits gekauften Fahrzeuge mit Autopilot-Vollausstattung steigen dürfte. Zuletzt gab es zum Unternehmenserfolg von Tesla häufig kritische Meldungen - so lieferte Tesla etwa im 1. Quartal weniger Model 3-Fahrzeuge aus als erwartet.

Bei diesem Schielen auf die aktuellsten Auslieferungszahlen geht allerdings oft unter, welche beachtlichen Markterfolge Tesla bisher mit seinem Mittelklasse-Stromer erzielt hat.

So hat das Model 3 schon Mitte vergangenen Jahres in den USA die deutschen Konkurrenten in der Premium-Mittelklassehinter sich gelassen: Das Model 3 überholte etwa Mercedes C-Klasse, Audis A4 oder BMWs 3er und liegt in der US-Zulassungsstatistik bei den "mid-sized premium sedans" ganz vorne.

In den USA kam die Marke Tesla mit ihren drei Modellen im letzten Quartal 2018 bereits auf einen Marktanteil von knapp 2 Prozent - und zwar am Gesamtmarkt der in den USA verkauften Neuwagen. Das entspricht in etwa dem Marktanteil von VW in den USA.

Weltweit war Teslas Model 3 mit 146.000 im vergangenen Jahr das meistverkaufte E-Auto. In Europa hat Teslas Model S zeitweise Mercedes S-Klasse-Limousine und den BMW 7er abgehängt. Das Model 3 wird seit Februar in Europa ausgeliefert - und hat sich in dem ersten Monat gleich den Platz als bei weitem bestverkauftes Elektroauto mit fast 33.000 Neuzulassungen gesichert. In Europa ist Teslas Anteil am Gesamt-Neuwagenmarkt noch bescheiden, doch das dürfte sich ein Stück weit mit jeder Schiffsladung Model 3-Limousinen ändern, die in den Niederlanden ankommt.

Warum Teslas Supercharger ein echter Wettbewerbsvorteil sind

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Aus dem lange von der deutschen Autoindustrie belächelten Start-up ist in ziemlich kurzer Zeit ein ernstzunehmender Gegner geworden - nicht nur in den USA, sondern weltweit. Noch hinkt Tesla wohl bei der Fertigungsqualität hinter den deutschen Herstellern her. Und der von Tesla so gerne angepriesene Autopilot ist zwar gut, aber auch nicht zum Lichtjahre besser als die Assistenzsysteme der deutschen Konkurrenz.

Beim Elektroantrieb und den Batterien haben die Kalifornier jedoch einen merkbaren Vorteil vor der Konkurrenz: Teslas Fahrzeuge nutzen die Akku-Energie offenbar effizienter als viele Konkurrenten und bieten bei gleich großem Batteriepack die größeren Reichweiten. Dazu kommt noch ein weiterer Vorteil: Dank des Tesla-eigenen Supercharger-Netzwerks lassen sich die E-Autos der Kalifornier bei Langstreckenfahrten schnell wieder aufladen - und das auch in Westeuropa fast flächendeckend.

Deutsche Autobauer haben hingegen erst vor kurzem mit dem Aufbau von superschnellen Ladesäulen-Netzwerken angefangen. Das macht Langstreckenfahrten auch in reichweitenstarken Elektroautos wie Audis E-Tron quattro oder Jaguars i-Pace zum Geduldsspiel: Denn alle 200 Kilometer ist meist ein Ladestopp von mehr als einer Stunde erforderlich. So lange dauert das eben an Schnelladesäulen mit 50 kW Ladeleistung, die mittlerweile an ziemlich vielen Autobahn-Raststätten zu finden sind.

Teslas Supercharger schaufeln allerdings mehr als doppelt so viel kW in den Akku, sie laden mit 120 oder sogar 135 kW. Damit sinken in der Praxis die notwendigen Lade-Pausen auf eine knappe halbe Stunde alle 200 oder 250 Kilometer. Das ist ein handfester Grund dafür, warum Tesla auch in den kommenden Jahren noch viele Käufer finden dürfte - und den deutschen Automanagern kräftig Kopfzerbrechen bereiten wird. Denn bis etwa der von den deutschen Autoherstellern gestützte Ladenetzwerk-Spezialist Ionity europaweit ein richtig dichtes Schnellader-Netz aufgebaut hat, dürften noch viele Monate ins EU-Land ziehen.

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