06.10.2017 
Teslas Probleme mit Model 3-Fertigung

Dieser Deutsche geht durch Elon Musks "Produktionshölle"

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3. Teil: Ist das Model 3 schon Massenproduktion - oder noch Vorserienfertigung?

Wie hoch die Belastung für Hochholdingers Team sind, lässt sich aus einem Bericht des britischen "Guardian" erahnen. Im vergangenen Jahr soll in Teslas Werk in Fremont mehr als hundert Mal ein Krankenwagen vorgefahren sein. Tesla selbst spricht von Einzelfällen und erklärt, an einer möglichst sicheren Fabrik zu arbeiten.

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Wie so oft bei Tesla bezweifeln zahlreiche Branchenkenner, ob Musk seine vollmundigen Ankündigungen auch einhalten kann. In der Vergangenheit musste Musk den Produktionsstart seines Model X mehrfach nach hinten verschieben, weil es zahlreiche Probleme mit der Fertigung der komplizierten Flügeltüren gab. Ein ähnliches Schicksal könnte nun auch dem Model 3 drohen, mahnen Experten.

So berichtet etwa der Fachblog Daily Kanban unter Berufung auf Insider-Quellen, dass eine Pilotanlage für die Fertigung von Model 3-Chassisteilen noch nicht einmal im Tesla-Werk in Fremont montiert sei - sondern noch nahe von Detroit entwickelt werde.

Die aktuellen Model 3-Serienmodelle dürften noch von Hand gefertigt werden, vermutet Daily Kanban - und sind damit noch weit von jener Produktion für den Massenmarkt entfernt, die Musk immer wieder in Aussicht stellt. Bertel Schmitt, Meinungsmacher bei manager magazin.de und einer der Betreiber von Daily Kanban, berichtete bereits Ende Juli, dass die "angebliche Serienfertigung" des Model 3 wohl eher einer Vorserienfertigung entspreche.

Tesla baute vom 7. bis zum 31. Juli gerade mal 50 Model 3-Fahrzeuge zusammen, erläuterte Schmitt in seinem Artikel auf manager-magazin.de Bei einer autobranchenüblichen Serienfertigung liefen jedoch 50 Autos pro Stunde vom Band.

Hochholdinger gibt sich siegessicher

Musk hatte vor wenigen Monaten angedeutet, dass er die bei traditionellen Autoherstellern übliche und teure Vorserienfertigung, also Probeläufe mit Testwerkzeugen, überspringen und gleich von Anfang an Fahrzeuge für Endkunden bauen wolle.

Für Hochholdinger dürfte das ein Drahtseilakt werden, auch wenn er für ein solches Wagnis durchaus Erfahrung mitbringt. Denn in Mexiko hat Audi unter Führung von Hochholdinger eine hochmoderne Autofabrik quasi am Computer entworfen. Das Q5-Werk setzt auf Fertigungsinseln mit Robotern statt der bislang üblichen Fertigungsstraße. Die Fabrik entstand in nur dreieinhalb Jahren - und das komplett mit Computersimulationen statt Probe-Fertigungsstraßen.

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"Glaubt mir, wir werden abrocken", soll Hochholdinger Ende April über die Fortschritte bei Tesla gesagt haben. Doch aktuell sieht es so aus, als müsse er noch ein wenig in der Produktionshölle schmoren.

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