08.11.2019 
"Könnte existenzgefährdend sein"

Warum der E-Autobauer E.Go gegen die höhere Kaufprämie wettert

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Auf dem Autogipfel Anfang der Woche hat die Bundesregierung einen höheren staatlichen Zuschuss beim Elektroauto-Kauf in die Wege geleitet: Künftig sollen Käufer von rein elektrisch angetriebenen Neuwagen bis zu 6000 Euro "Umweltbonus" erhalten, bislang waren es maximal 4000 Euro. Und auch für Plugin-Hybride steigt der Zuschuss auf bis zu 4500 Euro, derzeit sind es höchstens 3000 Euro.

Mit der Erhöhung der Förderung, die noch im November beschlossen werden soll, will die Bundesregierung die Nachfrage nach E-Modellen ankurbeln. Der Zuschuss verkleinert den nach wie vor bestehenden Preisunterschied zwischen Elektroautos und vergleichbaren Verbrenner-Modellen. Für private Elektroauto-Interessenten ist das eine feine Sache - für die Hersteller nur bedingt. Denn sie sollen wie schon bisher die Hälfte des Zuschusses übernehmen. Damit tut sich ein innovatives deutsches Start-up schwer.

Im Video: So steigt die Kaufprämie für E-Autos

Der Aachener Elektroautohersteller E.Go etwa spezialisiert sich geschickt auf Nischen, die traditionelle Autobauer bislang kaum abdecken: Ein günstiger City-Kleinwagen mit Elektroantrieb etwa oder einen sehr kompakten Elektrotransporter. Gegründet wurde E.Go vom Aachener Professor Günther Schuh, der bereits den Elektro-Lieferwagen StreetScooter der Deutschen Post federführend mitentwickelte.

Schuh erklärte nun in einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger", dass die erhöhte Umweltprämie für E.Go schwer zu verkraften sei: "Ehrlich gesagt kann diese Regelung für uns existenzgefährdend werden." Um den Eigenanteil des Umweltbonus stemmen zu können, müsse er seine Preise erhöhen. Denn E.Go könne - anders als die großen Autohersteller - "das Geld nicht vom Verkauf von Verbrennerautos nehmen".

Aussetzen des Eigenanteils würde Überlebenschancen "deutlich erhöhen"

Sein Kleinwagen Life koste mit großer Batterie 20.000 Euro, VWs ID.3 30.000 Euro. Wenn er nun wegen der erhöhten Förderung seine Preise anheben würde, läge er wieder näher an der Konkurrenz. Schuh bat deshalb in dem Interview quasi darum, dass die Bundesregierung den Eigenanteil bei seinem Unternehmen aussetzen solle. Das würde die Bundesregierung nicht viel kosten. Doch es würde "unsere Aussichten, auf dem Markt zu überleben, deutlich erhöhen".

Schuh hofft also auf eine Ausnahmeregelung. Ähnlich dürfte wohl auch ein weiteres deutsches Elektroauto-Start-up urteilen, das Unternehmen Sono Motors. Sono will im kommenden Jahr mit einem viersitzigen Modell auf dem Markt starten, das unter 25.000 Euro kosten soll. Auch für Sono wäre ein Eigenanteil von 3000 Euro beim Umweltbonus wohl nicht ganz einfach zu verkraften.

Dabei hält Schuh die staatliche Förderung des Elektroauto-Kaufs für durchaus richtig, weil solche Fahrzeuge nach wie vor deutlich teurer seien als herkömmliche Benziner oder Diesel. "E-Autos können derzeit noch deutlich weniger als die klassischen Verbrenner, kosten aber fast das Doppelte", so Schuh. Deshalb seien die Bürger noch sehr zurückhaltend beim Kauf. Unternehmen wie seines brauchen aber eben auch "innovative Kunden".

Bislang 400 E.Go Life-Kleinwagen verkauft

Noch ist E.Go ein sehr kleiner Player: 3400 Vorbestellungen hatte E.Go für das erste Modell Life, das nun ausgeliefert wird. Daraus wurden letztlich 400 Kaufverträge. Das Werk in Aachen ist auf 30.000 Fahrzeuge pro Jahr limitiert - dabei sei aber nicht der Verkauf das Problem, sondern dass man entsprechend der Nachfrage nicht genug Autos bauen könne, erklärte Schuh in dem Interview.

Neben dem viersitzigen Kleinwagen Life hat E.Go auch einen Minibus, den Mover, fertig entwickelt. E.Go kooperiert auch mit dem Volkswagen-Konzern und will die MEB-Elektroplattform der Wolfsburger für ein künftiges eigenes "Fun-Auto" nutzen, das "sehr emotional und ziemlich schrill sein wird", so Schuh.

Daneben beschäftigt sich E.Go auch noch mit Wasserstoffantrieben - der neue Minibus werde auch mit einem kleinen Brennstoffzellen-Aggregat angeboten, so Schuh.

Anders als einige Elektromobilitäts-Verfechter stimmt Schuh, der nach wie vor an der RTWH Aachen eine Professur innehat, aber noch keinen Abgesang auf traditionelle Verbrennermotoren an. Die werde es "noch ewig geben", meinte er gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger", "schlicht weil wir auch diese Technologie noch brauchen".

Von der Abschaffung des Verbrenners, wie er manchen politischen Parteien vorschwebt, hält Schuh gar nichts. "Wer sagt, wir lassen in 20 oder 30 Jahren keine Verbrenner mehr zu, der hat keine Ahnung", meint er. Auch bei Dieselmotoren sei das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Und wenn man den Selbstzünder mit einem Plugin-Elektroantrieb verbinde, könne man in der Stadt emissionsfrei fahren, auf langen Strecken aber mit dem sparsamen Diesel vorankommen. Solche Fahrzeuge, so meint Schuh, würden die Klimabilanz eines rein elektrischen Autos mit großer Batterie übertreffen.

Mit solchen Aussagen dürfte er sich in der Politik nicht nur Freunde machen.

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