04.03.2014 
Digitalisierung

VW-Chef Winterkorn sieht Autoindustrie vor massivem Umbruch

Ferrari

Durch die Digitalisierung ändern sich die Ansprüche von Autokäufern rasant: VW-Chef Winterkorn sieht "einen der größtem Umbrüche seit Bestehen des Automobils" - mit Auswirkungen auf den bisherigen Modellzyklus.

Genf - Die fortschreitende Digitalisierung und neue Umweltanforderungen stellen die Autoindustrie aus Sicht von VW-Chef Martin Winterkorn vor entscheidende Herausforderungen. "Unsere Branche steht in den nächsten Jahren vor einem der größten Umbrüche seit Bestehen des Automobils", sagte der Konzernchef vor Beginn des Autosalons in Genf.

Die Wünsche der Kunden veränderten sich immer schneller, ebenso die Bedürfnisse und die Erwartungen an Mobilität. Für die Industrie bedeute dies, sich noch schneller auf die Kunden weltweit einstellen zu müssen. "Ich bin sicher: Das zwingt uns dazu, darüber nachzudenken, ob die üblichen Modellzyklen von sieben bis acht Jahren nicht deutlich kürzer werden müssen", sagte Winterkorn.

Es gelte zudem zu hinterfragen, ob jedes bestehende Modell auch automatisch einen Nachfolger erhalten sollte. Die Modellzyklen bestimmen in der gesamten Branche bisher den industriellen Takt, etwa auch für die Zuliefererbranche. Volkswagen versucht unter anderem mit einem Baukastensystem, die Fertigung flexibler zu gestalten und Entwicklungszeiten zu verkürzen.

VDA verteidigt Investitionen in Russland

Die deutschen Autobauer bleiben trotz positiver Vorzeichen für das laufende Jahr vorsichtig. "Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Autojahr 2014 sind gut. Ein Selbstläufer ist das jedoch keineswegs", sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. Entscheidend sei, dass es keine Schocks wie die Euro-Schuldenkrise gebe. Deshalb verfolge die Branche die Entwicklung in der Ukraine mit besonderer Aufmerksamkeit.

Welche Auswirkungen allein ein möglicher Konflikt haben könne, habe sich am Montag an der Börse in Russland gezeigt, sagte Wissmann. Der Aktienmarkt in Moskau hatte zum Wochenauftakt zeitweise mehr als 10 Prozent verloren. Zugleich verteidigte Wissmann Investitionen in Staaten wie Russland. Die Branche könne sich bei Investitionen nicht an Regierungsformen orientieren. "Wenn wir das machen würden, könnten wir in weiten Teilen der Welt nicht investieren."

Denn noch sei die Branche "zwar nicht euphorisch, aber zuversichtlich", sagte Wissmann. Die anziehende Konjunktur gebe Rückenwind. Laut VDA stieg im Februar die Zahl der in Deutschland neu zugelassenen Fahrzeuge gegenüber dem Vorjahresmonat um vier Prozent auf 209.400 Fahrzeuge.

Die fünf wichtigsten Märkte in Europa seien im "Wachstumsmodus", sagte Wissmann. Neben Deutschland hätten zu Jahresbeginn auch Großbritannien und Spanien deutlich zugelegt. Auch in Frankreich und Italien gehe es bergauf. Erfreulich sei, dass auch die Krisenstaaten Portugal, Griechenland und Irland ihre Talfahrt beendet hätten.

Der Branchenverband geht davon aus, dass sich der Markt in Westeuropa erstmals seit Jahren wieder erholt und 2014 um 2 Prozent auf 11,7 Millionen Pkw wächst. Vor der Krise verkauften die Autohersteller 14,8 Millionen Modelle.

Die Bedingung für eine Erholung in Europa sei die Stabilisierung der Gesamtwirtschaft, so Wissmann. In Deutschland müsse die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben, warnte der VDA-Präsident. So dürfe die Produktion von eigenem Strom nicht verteuert werden.

ts/dpa-afx

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