05.07.2018 
Nissan-Europa-CEO Thomas Hausch wechselt zu Solarauto-Firma

Warum ein erfahrener Automanager zum Weltverbesserer-Startup Sono Motors geht

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2. Teil: Einen Batterie-Großauftrag hat das Startup schon vergeben

In Summe ergeben die Vorbestellungen alleine ein mögliches Umsatzvolumen von deutlich über 100 Millionen Euro. Im Mai hat Sono einen Großauftrag für Batterieentwicklung- und Fertigung an den deutschen Autozulieferer ElringKlinger vergeben, der sich über acht Jahre erstreckt und mehrere hundert Millionen Euro schwer ist.

Noch hat der Sion aber keine Straßenzulassung - die Crashtests für den Wagen sollen 2019 stattfinden. Die ersten Serien-Sions werden im kommenden Jahr vom Band laufen und Ende 2019 in den Verkauf kommen. Einen Produzenten für die Fahrzeuge hat sich Sono laut Hahn bereits gesichert. "Das wird ein Auftragsfertiger aus dem europäischen Raum. Wir arbeiten bereits seit über einem Jahr mit diesem Partner zusammen", so Hahn. Im ersten vollen Produktionsjahr will Sono auf eine fünfstellige Zahl an Fahrzeugen kommen. Über den Lebenszyklus von rund acht Jahren strebt Sono die Produktion von "mindestens 100.000 Fahrzeugen" an, erklärte Hahn.

Isa Krupka, Kommunikationschefin bei Sono Motors / Sono Motors GmbH
Sono Motors
Isa Krupka, Kommunikationschefin bei Sono Motors / Sono Motors GmbH

Der neue COO Hausch ist nicht der einzige Neuzugang in der Sono-Geschäftsführung. Das junge Unternehmen holt sich eine Kommunikationsexpertin ins Führungsgremium: Die 56-jährige Isa Krupka leitet künftig die Sono-Unternehmenskommunikation und zieht ebenfalls in das Führungsgremium ein. Krupka warüber 14 Jahre lang in der Finanzbranche tätig: Bei Dow Jones Indexes und Stoxx Ltd leitet sie das europäische und weltweite Marketing. Zuletzt verantwortete sie beim dem Asset-Manager VanEck sämtliche Marketing- und Presseaktivitäten außerhalb der USA.

Mit Hausch und Krupka wächst die Sono-Geschäftsleitung nun auf insgesamt sechs Mitglieder. Das oberste Führungsgremium besteht künftig aus den beiden Gründern Hahn und Christians, Finanzchef Martin Sabbione, Entwicklungschef Roberto Diesel, COO Hausch und Kommunikationschefin Krupka.

"Wir müssen anfangen, weniger Autos zu produzieren"

Nach kleiner Startup-Klitsche sehen solche formalen Strukturen nicht mehr aus - auch wenn aktuell nur rund 70 Leute für Sono Motors arbeiten. Zumal die Neuzugänge nicht die einzigen Sono-Topmanager mit Automobilindustrie-Background sind: Technikchef Diesel etwa arbeitete mehr als ein Jahrzehnt als Entwicklungsingenieur für General Motors, Opel und den Autozulieferer Webasto.

Sono-Mitgründer Hahn will mit den neuen Kollegen in der Geschäftsführung das Unternehmen in die "nächste Entwicklungsstufe führen" und "strategisch auf den geplanten Wachstumskurs der nächsten Jahre ausrichten", wie er in einer Pressemitteilung erklärte. In nächster Zeit stehen "Produktionsentscheidungen, Markenaufbau und Kommunikation" verstärkt im Fokus, so Hahn weiter. Da freue man sich, nun ausgewiesene Experten an Bord zu haben und mit ihnen Sono Motors in die Zukunft zu führen.

Im persönlichen Gespräch sagt es Hahn etwas deutlicher: "Wir glauben, dass Know-How aus der alten Autoindustrie wichtig ist. Ein Elektrofahrzeug ist zwar anders ausgelegt, aber es muss nun mal auch produziert werden", sagt er.

In Konkurrenz zur mächtigen deutschen Autoindustrie will er aber nicht treten. "Wir haben nicht vor, jemanden in den Schatten zu stellen", erklärt Hahn. Sono Motors wolle in den kommenden Jahren zum Mobilitätsanbieter und Energiedienstleister werden.

Denn etwas unterscheidet Hahns Denkweise wohl doch deutlich von der klassischen Autoindustrie: "Wir müssen anfangen, weniger Autos zu produzieren, weniger Ressourcen zu nutzen und auf Sharing umzusteigen", erklärte er. Die Sion-Elektroautos werden deshalb ab Werk Carsharing-Funktionen eingebaut haben. Ihre Elektroauto-Batterien lassen sich problemlos als Pufferspeicher für das Stromnetz nutzen. Das sind Serien-Funktionalitäten, mit denen sich klassische Autohersteller schwertun - weil es ihrem Geschäftsmodell des Auto-Verkaufens vielfach widerspricht.

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