11.01.2019 
Deutsche Autoindustrie unter Druck

Trotz Verkaufsrekord - dunkle Wolken über Daimler, BMW und VW

Volkswagen, Daimler und BMW verkauften zusammengenommen 2018 fast 16 Millionen Fahrzeuge, soviel wie noch nie. Dennoch stehen den deutschen Autobauern schwierige Jahre bevor. Ein Überblick.

Die deutsche Autoindustrie hatte kein gutes Jahr 2018 - und mit dem Urteil zu den grundsätzlich zulässigen Dieselfahrverboten in deutschen Großstädten im Februar ging es erst los. Die Automanager verstehen sich schon lange darauf, über hohe Kosten für Elektroantriebe und neue Technik zu klagen, um nach den vielen Boomjahren die Erwartungen zu dämpfen. Doch mittlerweile braut sich ein Sturm zusammen. An der Börse schlägt sich die Tristesse schon länger in stark gedrückten Kursniveaus nieder.

Trotz Verkaufsrekord - Autobauer vor zahlreichen Problemen

Volkswagen , Daimler und BMW verkauften zusammengenommen 2018 fast 15,8 Millionen Fahrzeuge, soviel wie noch nie. Doch unterm Strich wird es diesmal vor allem bei den Premiummarken deutlich mauer aussehen als in den Rekordjahren zuvor. Daimler und BMW muteten über das Jahr ihren Anlegern Gewinnwarnungen zu, VW klammerte bei der Ergebnisprognose die wieder einmal spürbaren Sondereinflüsse aus. Und die Aussichten bleiben düster, wie sich an der Lage der Zulieferer zeigt, die reihenweise schlechte Zahlen vorlegen oder ihre Aussichten kappen müssen.

Zu dem Problem des Dieselniedergangs kam im vergangenen Jahr noch eine ganze Latte hinzu: Der seit September geltende Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP wirbelte vor allem im VW-Konzern die Produktion durcheinander und damit den ganzen Markt in Europa.

Handelsstreit: Absatz in China geht erstmals seit 20 Jahren zurück

Der von US-Präsident Donald Trump losgetretene Handelsstreit erfasste über chinesische Einfuhrzölle auf US-Autos zuerst Daimler und BMW. Dann aber brach auch der Massenmarkt in China nach der Jahresmitte ein - und bescherte dem wichtigsten Einzelmarkt für die Autobauer im Gesamtjahr den ersten Einbruch seit mindestens zwanzig Jahren. Ob es beim Export von Autos und Zulieferteilen aus Europa in die USA zu höheren Zöllen kommt, ist noch unklar.

Die Schockwellen kommen der Branche gerade höchst ungelegen. Denn eigentlich müssen sie alle viel Geld in neue Elektroantriebe stecken und ihre Fahrerassistenzsysteme weiterentwickeln, um nicht von aggressiven Marktneulingen wie Tesla , Google , Uber und Co. deklassiert zu werden. Spätestens 2021 drohen überdies Strafen der EU-Kommission für den Fall, dass neu verkaufte Fahrzeuge im Schnitt die Grenzwerte beim Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) reißen.

Bewertungen niedrig, Gewinnerwartungen aber nicht

Europäische Autowerte befänden sich in einem "Niemandsland", urteilt Morgan-Stanley-Analyst Harald Hendrikse in seinem Ausblick auf das neue Jahr. Die Bewertungen der Firmen seien niedrig, die Gewinnerwartungen aber nicht. Der Umstieg auf das neue Abgasprüfverfahren RDE im September könnte den Markt weiter durcheinander bringen. Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie für Anlagen befänden sich auf Rekordhochs. Wenn die Nachfrage weiter nachlasse, dürften sich die Konzerne zunehmend auf Kooperationen einlassen, um Kosten zu senken.

Die Stimmung in der Industrie dürfte das erste Halbjahr über bedrückt bleiben, schreibt auch sein Kollege Jose Asumendi von JPMorgan. Die Aktien dürften auf den Bewertungsniveaus verharren, bis die Branche mehr Sicherheit gewinne, was die weltweiten Produktionspläne im zweiten Halbjahr angeht. Immerhin geht der Experte insgesamt von einer stabileren Entwicklung 2019 aus, weil unter anderem auch die Nachfrage nicht zurückgehen sollte. Getragen von Europa und China sollten weltweit 1,3 Prozent mehr Autos verkauft werden.

Überblick: Der Herbst der deutschen Autoindustrie

Kepler-Experte Thomas Besson sieht das deutlich kritischer. Bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen dürfte 2019 ein Minus von 2,7 Prozent weltweit stehen. Das wäre dann nach seiner Schätzung der zweite Rückgang nacheinander. Zuvor war es seit der Finanzkrise vor zehn Jahren nur nach oben gegangen.

Autoindex hat in Europa knapp 30 Prozent eingebüßt

Die Bewertung von Autobauern ist in ihrem Kerngeschäft ohnehin nicht die höchste. Echte Wachstumssprünge sind bei den ohnehin schon großen Konzernen nicht zu erwarten - es gibt aber auch Ausnahmen wie Tesla, die gemessen an ihrem operativen Ergebnis eher wie Technologiekonzerne bewertet werden.

Gemessen an den für dieses Jahr am Markt erwarteten Gewinnen liegt der Unternehmenswert der deutschen Autobauer im Industriegeschäft bei rund dem zweifachen des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern, wie die US-Investmentbank Jefferies errechnet hat. Zum Vergleich: Beim Luxusautobauer Ferrari liegt die Bewertung beim 26-fachen. Wenn Tesla tatsächlich wie geschätzt im kommenden Jahr einen operativen Gewinn macht, dann stehen die Kalifornier beim 56-fachen.

Aber die deutschen Autobauer sind nicht allein in der Tristesse: Der europaweite Index Stoxx Europe 600 Automobile & Parts, in dem Hersteller wie Zulieferer Europas zusammengefasst sind, hat vergangenes Jahr gut 28 Prozent eingebüßt. Volkswagens Vorzugsaktien haben rund ein Sechstel verloren, BMW-Stämme fast 19 Prozent. Daimler-Papiere büßten sogar gut ein Drittel ein.

Der Start ins neue Jahr war da schon verheißungsvoller. Daimlerstehen mit plus knapp 6 Prozent am besten da, Volkswagen und BMW liegen knapp im Plus.

la/dpa-afx

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