14.03.2019 
3,5 Millionen Autos in 2018

Sicherheitsmängel - mehr Rückrufe als Neuzulassungen in Deutschland

Wegen Sicherheitsmängeln riefen die Autobauer 2018 mit 3,5 Millionen so viel Wagen wie nie zuvor in die Werkstätten zurück. Daimler und VW stachen hier besonders hervor. Gründe sind auch die Gleichteilestrategie und die steigende Komplexität der Fahrzeuge.

In Deutschland ist die Zahl der Rückrufe von Autos mit Sicherheitsmängeln im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Dies geht aus einer Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte die "Saarbrücker Zeitung" (Donnerstag) berichtet.

Laut Kraftfahrtbundesamt waren im vergangenen Jahr demnach 3,5 Millionen Fahrzeuge von Rückrufaktionen betroffen, 600.000 oder gut 20 Prozent mehr als noch 2017. Damit gab es im vergangenen Jahr mehr Rückrufe als Neuzulassungen in Deutschland.

Damit setzt sich den Zahlen zufolge ein Trend der vergangenen sechs Jahre fort. Zum Vergleich: 2012 gab es nur rund 820.000 sicherheitsrelevante Rückrufe durch das KBA. Als Sicherheitsmängel gelten beispielsweise defekte Airbags, Fehler bei der Lenkung oder den Bremsen.

Am stärksten betroffen von Rückrufen aus Sicherheitsgründen waren laut Verkehrsministerium die Autohersteller Daimler sowie der Volkswagen-Konzern.

Bei den Zahlen gab es allerdings unterschiedliche Darstellungen. Das Verkehrsministerium nannte in Berufung auf das Kraftfahrtbundesamt Mercedes Benz (972.803 betroffene Autos) vor VW (462.813) und Audi (362.586). "Die Zahlen sind für uns nicht nachvollziehbar," entgegnete ein Sprecher von Daimler. Nach internen Rechnungen komme man nur etwa auf die Hälfte der vom KBA genannten Rückrufaktionen.

"Die Gründe für den starken Anstieg der Rückrufe sind vielfältig. Neue Modelle werden heute schneller auf den Markt gebracht und die gleichen Teile werden in immer mehr Fahrzeugen verbaut," sagte der Fraktionsvize der Grünen, Oliver Krischer. Das Problem dieser kostensenkenden Strategie: Wenn mehr Modelle im Baukastensystem gefertigt immer mehr gleiche Teile aufweisen und dann eines ausfällt, ist natürlich auch die Zahl der Rückrufe deutlich höher.

Mehr gleiche Teile, steigende Komplexität

Zugleich werden Autos zusehends komplexer, gleichen mehr einem Computer auf vier Rädern , wie es immer wieder heißt. So ist die Zahl der verbauten Funktionen und technischen Assistenten gestiegen, die dem Fahrzeugführer das Fahren angenehmer machen sollen. Damit steige natürlich auch die Ausfallwahrscheinlichkeit, gibt Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research (CAR) an der Uni Duisburg-Essen zu bedenken.

Auch die Diesel-Rückrufaktionen im vergangenen Jahr werden aufgelistet. Bei Mercedes-Benz waren davon etwa 110.000 Fahrzeuge betroffen, wie ein Sprecher bestätigte. Dabei handelt es sich allerdings laut Bundesverkehrsministerium überwiegend um "freiwillige Aktionen", die im Rahmen des Nationalen Forums Diesel vereinbart wurden. Anfragen bei VW und Audi zu den Rückrufaktionen blieben zunächst unbeantwortet.

"Besonders die Rückrufe wegen der nicht funktionierenden Abgasreinigung bei Diesel-PKW sind ärgerlich, weil die Hersteller hier vorsätzlich schlechte Technik eingebaut haben," so Krischer.

Die Statistik der Sicherheitsmängel erfasst indes nicht die millionenfachen Rückrufe wegen notwendiger Softwareupdates. Sie belaufen sich auf 6,3 Millionen.

rei mit dpa

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