22.05.2019 
Scheidender Daimler-Chef gibt Sparkurs vor

Zetsche schätzt Kosten für Daimler-Umbau auf 700 Millionen

Der scheidende Daimler-Chef Dieter Zetsche gibt vor Beginn der Daimler-Hauptversammlung seinem Nachfolger Ola Källenius einen eindringlichen Rat mit auf den Weg: sparen, sparen, sparen. Sollte Zetsche in zwei Jahren als Aufsichtsratschef zurückkehren, dürfte er Källenius auch daran messen.

Der noch amtierende Daimler-Chef Dieter Zetsche hat seinem designierten Nachfolger erneut verstärkte Sparanstrengungen mit auf den Weg gegeben. "Alles steht auf dem Prüfstand: fixe und variable Kosten, Sach- und Personalkosten, Investitionsvorhaben, die Wertschöpfungstiefe und die Produktpalette", sagte Zetsche am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin. Sie sollen einen kostspieligen Konzernumbau in eine Holding und drei rechtlich selbstständige Aktiengesellschaften absegnen. Die Einmalkosten für den Konzernumbau sieht Zetsche bei 700 Millionen Euro.

Im gesamten Unternehmen müssten die Kosten gesenkt und die Effizienz erhöht werden. Das diene auch dazu, die Kosten für neue Technologien in den Autos für die Kunden erschwinglich zu machen, erklärte Zetsche weiter. "Mit dem aktuellen Profitabilitätsniveau können und wollen wir nicht zufrieden sein." Details ließ der scheidende Top-Manager offen. Mit Ablauf des Aktionärstreffens will er nach mehr als 13 Jahren an der Konzernspitze den Posten für Källenius freimachen, der das Sparprogramm dann weiter ausarbeiten muss.

Im vergangenen Jahr war Daimlers Gewinn trotz eines Umsatzanstiegs um mehr als ein Viertel abgerutscht. Auch der Start ins neue Jahr sei verhalten ausgefallen, sagte Zetsche. Schwächelnder Absatz, Diesel-Rückrufe, der Handelsstreit zwischen China und den USA sowie Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgasteststandard WLTP hatten Daimler zuletzt mächtig belastet. Ein starker Abgang bleibt dem 66-Jährigen, der in Kürze in den Tui-Aufsichtsrat berufen werden soll, somit verwehrt.

Im Hintergrund scheint Källenius schon längst an einem Sparprogramm zu arbeiten. Massiv will der Konzern vor allem in der Verwaltung die Kosten senken. Die Ausgaben in den Zentralbereichen des Autobauers sollen um 20 Prozent sinken, hatte zuvor das "Handelsblatt" berichtet. Es gehe um mehrere Milliarden Euro an Effizienzpotenzial. Ola Källenius arbeite schon seit Monaten an "Gegenmaßnahmen", um die Margenziele zu retten. Im Sommer solle das Sparpaket stehen.


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Källenius, seit mehr als 25 Jahren im Unternehmen, tritt in große Fußstapfen. Zetsche sei ein Ausnahmemanager, erklärte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff. "Er hat Daimler erfolgreich auch durch schwieriges Terrain zurück an die Spitze geführt." So eroberte Mercedes-Benz 2016 die Krone des weltweit größtes Premiumautobauers vom Rivalen BMW zurück.

Der gebürtige Schwede will und muss nach Zetsche nun das Kunststück vollbringen, den traditionellen Auto- und Lastwagenbauer ins Zeitalter von Elektroantrieb und Mobilitätsdienste zu führen, ohne dass Gewinn und Beschäftigung darunter stark leiden. Und das, während sich die wichtigen Absatzmärkte gerade abkühlen.

Die Wende zur Elektromobilität müsse Daimler beschleunigen, schrieb Källenius sich kürzlich selbst ins Aufgabenheft. "Wir wollen nicht zugucken, wie diese passiert, sondern wir wollen einer der Architekten dieser Wende sein", sagte er zur Präsentation höherer CO2-Reduktionsziele des Konzerns.

Dass Källenius anders als Zetsche kein Ingenieur ist, gilt dabei nicht als Mangel. "Er ist ein BWLer mit großem Technikverständnis", sagt einer seiner engen Mitarbeiter. Er sei ein "echter Car Guy", bescheinigte ihm einst Zetsche.


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Der neue Konzernlenker hat zwei Jahre Zeit, seine Pflöcke einzuschlagen. Denn 2021 soll Zetsche nach zwei Jahren Abkühlphase als Aufsichtsratsvorsitzender zu Daimler zurückkommen, sofern er nicht noch über die Diesel-Affäre stolpert. Kehrt Zetsche als Chefaufseher zurück, dürfte er Källenius dann sicher auch an dem bis dahin Erreichten messen.

rei mit Nachrichtenagenturen

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