27.03.2019 
Deal noch vor Autoshow in Shanghai geplant

Daimler und Geely mit Smart auf der Zielgeraden

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Daimler steht offenbar kurz vor dem Verkauf der Hälfte seiner Kleinwagentochter Smart an den chinesischen Branchenkollegen Geely, berichtet die Financial Times (€) auf ihrer Internetseite unter Berufung auf drei mit den Plänen vertraute Personen. Noch vor der Auto-Messe in Shanghai wollten die Autobauer den Deal bekannt geben.

"Wir sind auf der Zielgeraden", erfuhr auch manager-magazin.de am Mittwoch aus Unternehmenskreisen. Vor der Messe wolle man mit einer Vereinbarung an die Öffentlichkeit, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Ob es allerdings auf einen hälftigen Verkauf von Smart oder eine andere Form der engen Zusammenarbeit mit Geely hinauslaufe, sei noch unklar.

Das manager magazin hatte bereits in seiner März-Ausgabe berichtet, dass Daimler für das Nachfolgemodell des Smart, der ab 2020 nur noch elektrisch fahren soll, einen Partner sucht und deshalb Gespräche mit Daimler-Großaktionär Geely führe. Denn der Start des Smart in das Elektrozeitalter verlief bislang holprig. Daimler verkaufte keine 15.000 Elektroversionen des Kleinwagens im vergangenen Jahr. Zudem gab es Ärger mit dem Batterie-Lieferanten LG Chem, was den Absatz zusätzlich bremste.

Kunden müssen derzeit bis zu ein Jahr auf einen E-Smart warten. Das Problem seien aktuell weniger die Zellen, sondern die Batteriesysteme, wie aus Unternehmenskreisen weiter verlautet. Sie müssen so gebaut werden, dass sie dicht, stabil und sicher sind. Da sammelt Daimler derzeit offenbar noch einige Lernerfahrung. Spätestens in einem Jahr aber solle die Batterie-Elektrik kein Problem mehr darstellen.

Bei Daimler kann indes auch niemand mit dem Gewinnbeitrag von Smart zufrieden sein - er existiert schlicht nicht. Der Konzern fährt seit Gründung der Marke vor 21 Jahren Verluste mit dem Auto ein. Analysten von Evercor ISI schätzen, dass Daimler mit dem Smart jährlich zwischen 500 bis 700 Millionen Euro verliert, berichtet die FT. Im vergangenen Jahr setzte der Konzern 130.000 Smart ab - ein Bruchteil der rund 2,25 Millionen Premiumfahrzeuge, die Mercedes Benz verkaufte.

Berlin könnte Daimler noch einen Stein in den Weg legen

Hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche lange Zeit seine schützende Hand über Smart gehalten, scheint sein Nachfolger Ola Källenius weniger Geduld mit der dauerdefizitären Marke zu haben, wie zuletzt das "Handelsblatt" berichtete. Daimler-Großaktionär Geely mit Li Shufu (55) an der Spitze, der schon länger eine engere Verzahnung mit dem deutschen Autobauer sucht, könnte dem Kleinwagen nun neues Leben einhauchen und zugleich einen Teil des Kostenrisikos tragen, den so eine Umstellung mit sich bringt.

Vor dem Hintergrund wachsender Skepsis gegenüber chinesischen Investoren könnte aber selbst ein Teilverkauf auf politischen Widerstand in Berlin stoßen, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Daimler nahestehende Bankenkreise. Als Geely vor gut einem Jahr 9,7 Prozent Anteile an dem Autobauer erworben hatte, reagierte man nicht nur in Berlin überrascht und reserviert. Der überraschende Einstieg hatte damals eine Debatte ausgelöst, ob Transparenzregeln verschärft werden sollen.

Im vergangenen Jahr wurde dann ein Gesetzentwurf verabschiedet, der der Bundesregierung das Recht einräumt, Investitionen von Nicht-EU-Unternehmen in sensiblen Branchen, die von der Verteidigung bis zur Energie reichen, zu über 15 Prozent zu blockieren.

Auch ist bislang unklar, was Li strategisch mit dem Daimler-Anteil vorhat. Berichte zu Beginn des Jahres, Geely wolle sich von Daimler-Anteilen wieder trennen dementierte der chinesische Autobauer prompt. Die Chinesen sind in den letzten Jahren auch durch Zukäufe in Europa stark gewachsen. So besitzt Geely Volvo Cars, die britische Sportwagenmarke Lotus und ist an der Truck Volvo Group beteiligt.

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