21.05.2019 
Zetsche-Nachfolger Källenius arbeitet an Sparprogramm

Daimler will in Verwaltung offenbar Milliarden sparen

Daimlers letzte Quartalsbilanz unter dem langjährigen Chef Dieter Zetsche fiel bescheiden aus. Ein starker Abgang bleibt dem 66-Jährigen, der in Kürze in den Tui-Aufsichtsrat berufen werden soll, somit verwehrt. Der operative Gewinn schrumpfte zweistellig, im Kerngeschäft fiel der Absatz der Marke Mercedes-Benz. Nach dem ersten Quartal sei es nicht gerade einfacher geworden die Jahresziele zu erreichen.

Seinem Nachfolger Ola Källenius (49), der am morgigen Mittwoch die Führung des Autobauers übernehmen wird, gab Zetsche mahnend mit auf den Weg: Das Unternehmen müsse besser arbeiten, die Kosten müssten sinken. Angesichts der großen Veränderungen in der Automobilbranche und der schwachen Auto-Konjunktur führe an Einsparungen kein Weg vorbei.

Im Hintergrund scheint Källenius schon längst an einem Sparprogramm zu arbeiten. Massiv will der Konzern vor allem in der Verwaltung die Kosten senken. Die Ausgaben in den Zentralbereichen des Autobauers sollen um 20 Prozent sinken, berichtet das "Handelsblatt". Es gehe um mehrere Milliarden Euro an Effizienzpotenzial.

Der designierte Daimler-Chef Ola Källenius feilt dem Bericht zufolge schon seit Monaten an "Gegenmaßnahmen", um die Margenziele zu retten. Die Vorarbeiten für die Initiative "Move" seien weit gediehen, im Sommer solle das Sparpaket stehen. Daimler wollte sich dazu nicht äußern.


Lesen Sie auch: Ola Källenius - das ist der Neue. Und das hat er vor.


Källenius will das Kunststück vollbringen, den traditionellen Auto- und Lastwagenbauer ins Zeitalter von Elektroantrieb und Mobilitätsdienste führen, ohne dass Gewinn und Beschäftigung darunter stark leiden. Und das, während sich die wichtigen Absatzmärkte gerade abkühlen.

Die Wende zur Elektromobilität müsse Daimler beschleunigen, schrieb Källenius sich kürzlich selbst ins Aufgabenheft. "Wir wollen nicht zugucken, wie diese passiert, sondern wir wollen einer der Architekten dieser Wende sein", sagte er zur Präsentation höherer CO2-Reduktionsziele des Konzerns.

Dass der Schwede Källenius anders als Zetsche kein Ingenieur ist, gilt dabei nicht als Mangel. "Er ist ein BWLer mit großem Technikverständnis", sagt einer seiner engen Mitarbeiter. Er sei ein "echter Car Guy", bescheinigte ihm einst Zetsche.

Der neue Konzernlenker hat zwei Jahre Zeit, seine Pflöcke einzuschlagen. Denn 2021 soll Zetsche nach zwei Jahren Abkühlphase als Aufsichtsratsvorsitzender zu Daimler zurückkommen - und dürfte ihn dann auch sicher an seinen Erfolgen messen.

rei mit Reuters

Mehr zum Thema