19.03.2020 
Autokonzerne reagieren auf Ministerbitte in Corona-Krise

Daimler spendet 110.000 Atemmasken, VW legt noch einen drauf

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Bei manchen deutschen Autokonzernen geht's jetzt an die Vorräte, um die Coronavirus-Pandemie zu bekämpfen. Denn in der Automobilindustrie horten zahlreiche Firmen größere Vorräte an Atemschutzmasken. Diese werden üblicherweise in der Autoproduktion zum Schutz der Mitarbeiter genutzt, nun kommt ein größerer Teil davon der Allgemeinheit zugute.

Der Autohersteller Daimler will rund 110.000 Atemschutzmasken für Kliniken und Arztpraxen als Spende zur Verfügung stellen, wie der "Tagesspiegel" vor kurzem berichtete. Gegenüber manager-magazin.de bestätigte ein Daimler-Sprecher die Anzahl. Laut dem "Tagesspiegel" hält Daimler noch weitere Atemschutzmasken für den Eigenbedarf vor. Wie viele Masken der Konzern insgesamt auf Lager hat, ließ Daimler offen.


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Auch Europas größter Autobauer Volkswagen will nun der Gesundheitsbranche Atemschutzmasken gratis zur Verfügung stellen. Wie ein VW-Sprecher gegenüber manager-magazin.de erklärte, will VW "in signifikanter Höhe" Atemschutzmasken spenden. Einen Konzernbeschluss dafür gebe es bereits, so der Sprecher, die letzten Details würden gerade geklärt.

Die genaue Zahl der Atemschutzmasken wollte der Sprecher vorerst nicht nennen. Eines stellte er aber bereits in Aussicht: Die Zahl der gespendeten Atemschutzmasken würde "größer sein" als die von Daimler gespendete Zahl.

Große Anzahl an FFP3 Masken mit hoher Schutzwirkung

VW will überwiegend sogenannte FFP3-Masken spenden, die einen hohen Schutz vor Coronaviren bieten. Teils will VW aber auch sogenannte FFP2-Masken zur Verfügung stellen, deren Filterwirkung gegen Coronaviren etwas geringer ist. Laut dem Sprecher geht die Spende auf eine Initiative von Gesundheitsminister Jens Spahn zurück, der sich diesbezüglich direkt an VW-Konzernchef Herbert Diess gewandt hatte.

BMW erklärte auf Nachfrage, aktuell keine solchen Spendenpläne zu hegen. Von Ford und Opel war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

ZF produziert bereits eigene Schutzmasken - aber nur für China

Atemschutzmasken sind in Deutschland in Apotheken oder Drogeriemärkten seit Wochen ausverkauft. Krankenhäuser und Kliniken klagen schon seit Tagen darüber, dass sie zu wenig Atemschutzmasken zur Behandlung von Coronavirus-Infizierten und -Verdachtsfällen zur Verfügung haben. Die Spenden der beiden Autokonzerne könnten da in der aktuellen Krise etwas Linderung verschaffen.

Manche Unternehmen in der Automobilbranche ändern deshalb ihre Produktionspläne. In den USA prüfen etwa Ford, GM und Tesla die Produktion von Beatmungsgeräten für Krankenhäuser.

Der deutsche Autozulieferer ZF ist gleich selbst in die Mundschutz-Produktion eingestiegen - allerdings nur in China, wie die Stuttgarter Zeitung meldet. In China ist das Tragen von Masken bei der Arbeit bereits behördlich vorgeschrieben. Ohne die einfachen Atemschutzmasken hätte ZF die Produktion in China nach der behördlich verhängten Zwangspause nicht wieder aufnehmen können.

ZF hat deshalb beschlossen, eine eigene Maschine zur Atemmaskenherstellung anzuschaffen. Seit Anfang März produziert ZF so täglich zwischen 90.000 und 100.000 Atemschutzmasken. Was über den Eigenbedarf hinausgeht, spendet ZF an die Gemeinden, in denen die 40 Werke von ZF in China stehen. Dem in Deutschland gerade gefragten Masken mit FFP-Standard entspricht der von ZF hergestellte Mundschutz aber nicht.

Auch andere Branchen satteln in der Krise um: Der Bekleidungshersteller Trigema etwa hat bereits erste Muster für Atemschutzmasken in Kliniken im Test. Noch ist aber nicht klar, ob Trigema grünes Licht für die Massenproduktion seiner Masken bekommt.

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