31.03.2020 
VDMA zu Schutzausrüstung aus dem 3-D-Drucker

3-D-Druck-Betriebe rufen nach Krisen-Koordination

Ein Interview von

Angesichts fehlender Schutzausrüstung und Beatmungsgeräte rüsten immer mehr Unternehmen um und stellen ihre Produktion auf dringend benötigtes Material um. Neben Textilbetrieben, die auf die Fertigung von Schutzmasken umgestiegen sind, ist hier auch immer wieder die Rede von 3-D-Druckverfahren, mit denen beispielsweise Autobauer den Kampf gegen die Pandemie unterstützen wollen. Was kann die Technik tatsächlich leisten - und was nicht? Rainer Gebhardt, 3-D-Druck-Experte des Maschinenbauerverbandes VDMA gibt Auskunft.

manager magazin: Angesichts mangelnder Beatmungsgeräte und Schutzausrüstung bieten immer mehr Unternehmen an, in ihren Werken anstelle ihrer normalen Produkte Schutzausrüstung oder in ihren 3-D-Druckern Teile für Beatmungsgeräte zu produzieren. Wie realistisch ist das? Daran, dass sich mal eben Teile für Beatmungsgeräte drucken lassen, hat der medizintechnik-Hersteller Drägerwerk ja schon deutliche Zweifel angemeldet.

Rainer Gebhardt: Ja, 3-D-Druck per se ist sicherlich nicht für alle Produkte geeignet - dessen sollte man sich auch bewusst sein. Aber dort, wo es Sinn macht, sollten wir unsere Fähigkeiten nutzen.

Wo würde es denn Sinn machen? Bei der Herstellung von Schutzausrüstung?

Ja, zum Beispiel. Und vielleicht ja auch bei Ersatzteilen für Beatmungsgeräte wie Formteile und Anschlüsse, die Berichten zufolge ja mittlerweile auch schon knapp sind. Aber was da sinnvoll und umsetzbar ist, sollten die jeweiligen Experten beurteilen. Da steckt mehr Know-how drin, als man auf den ersten Blick vermutet. Mangelhafte Ware, wie sie aktuell auch in den Markt gebracht wird, hilft niemandem.

Es sind schon viele Unternehmen nach vorne getreten und haben angeboten, mit ihren 3-D-Anlagen bei besonders benötigten Produkten einzuspringen. Bislang wirkt das aber noch nicht koordiniert. Gibt es mittlerweile eine zentrale Stelle, die Bedarf und Kapazitäten miteinander abgleicht und zwischen möglichen Produzenten und Abnehmern koordiniert.

Rainer Gebhardt
  • Copyright: Uwe Noelke/VDMA
    Uwe Noelke/VDMA
    Rainer Gebhardt ist Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA und vertritt dort die Interessen von mehr als hundert 3-D-Druck-Betrieben, deren Kunden und Zulieferern.

Meines Wissens noch nicht. Aber die wäre sehr sinnvoll. Was es gibt, ist ein Aufruf der EU-Kommission an Dienstleister sowie eine Eilanfrage des Bundesgesundheitsministeriums, in der genau beschrieben wird, was an Schutzausrüstung dringend benötigt wird, und welche Anforderungen diese Produkte erfüllen müssen.

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