25.02.2019 
Gemeinsames Mobilitätsunternehmen "Share Now"

"Wachstum ist zwingend" - Daimlers Schulterschluss mit BMW

Aus Berlin berichtet

In der hippen Berliner Location gibt es moderne Drahtmöbel, Betonwände und Sushi-Burritos. Die Autobosse von Daimler und BMW, Dieter Zetsche und Harald Krüger, kommen trotz Start-up-Flair lieber in traditionell-blauen Anzügen. In einem alten U-Bahn-Tunnel am Potsdamer Platz haben die Vorstandsvorsitzenden am Freitag die Pläne für ihr neues, gemeinsames Mobilitätsunternehmen Share Now vorgestellt. Die Einheit soll digitale Angebote wie Carsharing und Mitfahrdienste vereinen und die Konzerne gegen immer mächtigere Konkurrenz aus dem Digitalsektor stark machen.

Gleich mit fünf Joint Ventures wollen Daimler und BMW künftig dafür sorgen, den Anschluss an moderne Mobilität nicht zu verlieren. Unter anderem legen sie ihre Carsharing-Angebote Car2Go und Drive Now unter dem Namen Share Now zusammen. Insgesamt werden 14 Marken mit rund 60 Millionen Kunden integriert, 1000 neue Jobs sollen weltweit entstehen.

Die Topmanager lassen keine Zweifel daran, dass das Ganze richtig groß werden soll. "Wir schaffen einen weltweit führenden Gamechanger", sagte BMW-Chef Harald Krüger am Freitag. Aber: "Wachstum ist zwingend", so Daimler-Boss Zetsche.

Denn noch beziffern die Konzerne den Umsatz ihres neuen Angebots mit nur rund drei Milliarden Euro. Gemessen an ihrem Gesamtumsatz ist das wenig: Daimler setzt etwa 167 Milliarden, BMW knapp 99 Milliarden Euro um. Doch der Trend ist klar: Immer weniger Menschen kaufen eigene Autos. Gerade jüngere Generationen kommen zunehmend ohne eigenen Führerschein zurecht - auch durch Mobilitätsservices aus dem Silicon Valley und China. "Wenn du Veränderungen siehst, aber es vermeidest, sie anzugehen, dann bist du verloren", erklärte Zetsche den Sinneswandel der einstigen Rivalen.

Die Autobosse halten sich bedeckt

Krüger formulierte klare Erwartungen an die neuen Manager der Einheiten: "Dass sie abliefern." Doch die Konzernchefs schienen sich mit Prognosen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen. Auf die Frage nach Umsatzzielen hieß es, die Geschäftsführer der Joint Ventures arbeiteten nun Businesspläne aus, die man in drei bis vier Monaten erneut evaluieren würde. Künftige Investments hingen davon ab, wie gut man wachsen könne.

Zunächst haben Daimler und BMW eine Milliarde Euro für die fünf Firmen abgestellt. Wie lange die Summe reichen soll, kommentierten Zetsche und Krüger nicht (Zetsche: "Bis sie weg ist."). Weitere Fragen blieben offen: Zum Beispiel, ob das neue Konstrukt an die Börse gebracht werden soll, um es mehr Investoren zu öffnen.

"Die Teams dürfen erst seit drei Wochen miteinander reden", rechtfertigt BMW-CFO Nikolaus Peter. Der Regulierung wegen. Ein Satz, der am Freitag von vielen Seiten zu hören war. Wahrscheinlicher ist, dass BMW und Daimler keine Details durchblicken lassen wollen. Denn nicht nur Konkurrenz durch milliardenschwere Start-ups wie Uber übt Druck aus. Auch VW will im zweiten Quartal 2019 einen eigenen Carsharing-Dienst launchen. Und der Autovermieter Sixt - einst Großgesellschafter von Drive Now - will schon kommende Woche ein vollumfassendes neues Mobilitätsangebot vorstellen.

Daimler und BMW hoffen, durch den Schulterschluss den Wettbewerb auszustechen. Synergien sollen entstehen, Kosten gespart werden. Die Größe soll das Geschäft profitabler machen. Der Plan umfasst:

Zwar sollen die Fäden bei Reach Now als übergreifender Plattform zusammenlaufen. Offiziell aber stehen die Joint Ventures gleichberechtigt nebeneinander. Das könnte im Streitfall aufwendige Absprachen und Verhandlungen bedeuten. Daniela Gerd tom Markotten aber sagt: "Bisher sind wir uns immer einig geworden." Und im Zweifel würden die Shareholder entscheiden. Angesichts der Konkurrenzlage dürften die erst einmal weiter an einem Strang ziehen.

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