16.05.2019 
Hauptversammlung

BMW will sich massiv gegen drohende Kartellstrafe wehren

BMW-Konzernchef Harald Krüger kündigt auf der HV massiven Widerstand gegen die drohende milliardenschwere Kartellstrafe der EU an. Er weist den Vorwurf geheimer Absprachen erneut zurück. Zugleich verteidigt der Vorstand seine abwartende Haltung mit Blick auf den Antrieb der Zukunft.

BMW will die drohende milliardenschwere Kartellstrafe der EU nicht auf sich sitzen lassen. "Die von der EU-Kommission erhobenen Vorwürfe sind unberechtigt", bekräftigte der Chef des Autobauers, Harald Krüger, auf der Hauptversammlung in München am Donnerstag laut Redetext. "Deshalb wehren wir uns mit allen rechtlichen Mitteln - wenn erforderlich." BMW habe keine geheimen Absprachen mit anderen Autobauern zum Nachteil der Kunden getroffen. "Unser Ziel war die zulässige Abstimmung von Industriepositionen", betonte Krüger.

Die EU-Kommission vermutet illegale Kartellabsprachen unter den deutschen Autobauern in der Abgasreinigungstechnik. BMW, Daimler und Volkswagen sollen von 2006 bis 2014 gegen Vorschriften verstoßen haben, indem sie sich bei der Technik zur Reinigung von Diesel-Autos und Benzinern von Schadstoffen abstimmten.

Angesichts der angedrohten Buße hatte BMW im ersten Quartal 1,4 Milliarden Euro Rückstellungen gebildet, die das Konzernergebnis massiv belasteten. Operativ wies BMW im Kerngeschäft mit Personenkraftwagen sogar einen Verlust aus. Für das laufende Jahr rechnen die Münchner nur noch mit einer operativen Umsatzrendite von 4,5 bis 6,5 Prozent. "Operativ bleiben wir auf Kurs für das Gesamtjahr", sagte Krüger.

Die Rivalen Daimler und VW könnten glimpflicher davonkommen. Der Stuttgarter Autobauer könnte um eine Strafe ganz herumkommen, weil er rechtzeitig ausgepackt hat. Volkswagen könnte mit einer geringen Strafe davonkommen, da der Konzern die Wettbewerbshüter ebenfalls informierte.

Antrieb der Zukunft - Vorstandschef verteidigt abwartende Haltung

Krüger verteidigte zugleich die abwartende Haltung des Konzerns rund um die Antriebsart der Zukunft. "Alles auf eine Karte zu setzen, das ist aus meiner Sicht unternehmerisch nicht klug", verteidigte der Vorstandschef den Kurs des Dax -Konzerns. Es gebe nicht die eine passende Lösung für alle Anforderungen. "Deshalb werden verschiedene Antriebsformen nebeneinander bestehen", sagte er.

BMW und auch Daimler stellen sich mit ihrer flexiblen Haltung in der Branche gegen Volkswagen-Chef Herbert Diess, der den Fokus auf rein batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge auch im Kurs der Politik verankert sehen möchte. Das hatte im Autobranchenverband VDA vorübergehend zu öffentlichem Streit geführt.

BMW und Daimler setzen verstärkt auf die sogenannten Hybridantriebe - eine Mischform aus Verbrenner- und Elektroantrieb. Die beiden Premiumhersteller haben ihre große Stärke bei den gewinnträchtigen schweren Luxuskarossen, die vor allem als Dienstwagen verkauft werden. Beide wollen sich die künftigen Hauptantriebstechnologien weitgehend offen halten. "Technologische Offenheit ist entscheidend, um auf die regulatorischen Anforderungen und Kundenwünsche in verschiedenen Märkten vorbereitet zu sein", sagte Krüger.

rei/Reuters/dpa

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