16.05.2019 
Aktionäre lassen auf Hauptversammlung mächtig Dampf ab

"BMW wirkt zaghaft, kraft- und mutlos"

Sinkende Umsatzrendite, gekürzte Dividende, milliardenschwere Rückstellung, zuletzt schwache Zahlen - bei BMW läuft es derzeit alles andere als rund. Die erfolgsverwöhnten Aktionäre kritisieren Vorstandschef Harald Krüger scharf.

Die erfolgsverwöhnten Aktionäre von BMW sind derzeit alles andere als zufrieden mit dem Vorstand: "Sie haben sich zu lange auf einer Position der Stärke ausgeruht", kritisierte Daniela Bergdolt von der Aktionärsvereinigung DSW das Management auf der Hauptversammlung am Donnerstag. Der Autobauer habe die Vorreiterrolle in der Entwicklung von Elektroautos verspielt.

"Ich erwarte eine Modelloffensive, die Tesla vom Tisch bläst", forderte die Anwältin unter dem Beifall der Kleinanleger. Vorstandschef Harald Krüger verwies darauf, dass der Konzern bis 2021 fünf vollelektrische Modelle auf den Markt bringen werde. BMW werde sich aber nicht auf einen Antrieb festlegen. "Alles auf eine Karte setzen - das ist aus meiner Sicht unternehmerisch nicht klug", stellte der Vorstandschef klar und teilte damit gleich einen Seitenhieb gegen den Wettbewerber Volkswagen aus.

Eine sinkende Umsatzrendite, eine nach acht Jahren erstmals gekürzte Dividende und eine milliardenschwere Rückstellung für angebliche Kartellverstöße, die die Ziele 2019 gefährdet - "von BMW kommen derzeit nur Hiobsbotschaften", stellte Analyst Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment fest. Dabei seien den Münchnern als einzigem deutschen Autohersteller keine Manipulationen an den Diesel-Abgaswerten nachgewiesen worden.

"BMW wirkt zaghaft, kraft- und mutlos, während VW und Daimler die Flucht nach vorn antreten und positive Signale an den Kapitalmarkt senden", ließ es Werning an Deutlichkeit nicht vermissen. "Mit dem Jahr 2018 können wir nicht zufrieden sein", sagte Daniel Bauer vom Kleinaktionärsverein SdK.

Vertragsverlängerung von Vorstandchef Krüger offen

"Sie haben die Handbremse angezogen und den Rückwärtsgang eingelegt", sagte Hendrik Schmidt von der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS an den BMW-Vorstand gerichtet. Der Vertrag von Konzernchef Krüger läuft in gut einem Jahr aus. Ob er verlängert wird, gilt als offen. Der neu gewählte Aufsichtsrat muss sich nach dem Aktionärstreffen erst konstituieren, bis er wieder handlungsfähig ist. Der BMW-Chef stehe im Schatten seiner Vorgänger, sagte der Union-Investment-Vertreter. "Wir wünschen uns mehr eigene Akzente und mehr Sichtbarkeit am Kapitalmarkt von Ihnen."

Als ungerecht bewerteten der BMW-Vorstand und die Aktionäre gleichermaßen die drohende milliardenschwere Kartellstrafe der EU. Die Brüsseler Wettbewerbshüter vermuten illegale Absprachen unter den deutschen Autobauern in der Abgasreinigungstechnik. BMW, Daimler und Volkswagen sollen sich von 2006 bis 2014 abgestimmt haben, etwa was die Größe der Tanks für Harnstoff betrifft, mit dem die Abgase von Giftstoffen gereinigt werden.


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Während die BMW-Rivalen frühzeitig über die Praktiken ausgepackt hatten und deshalb mit einem Erlass oder Nachlass der Bußen rechnen dürfen, hat BMW im ersten Quartal 1,4 Milliarden Euro für die drohende Strafe zurückgestellt.

Für das laufende Jahr rechnet BMW aufgrund der Milliardenbelastungen nur noch mit einer operativen Umsatzrendite im Autogeschäft von 4,5 bis 6,5 Prozent. Ein Armutszeugnis gegenüber den 9,2 Prozent des Jahres 2017. Das Ziel liegt eigentlich bei 8 bis 10 Prozent.

rei/Reuters

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