17.04.2019 
Mittelständischen Autozulieferern droht Konsolidierungswelle

"Die kleineren Zulieferer müssen einen Spagat schaffen"

Ein Interview von

2. Teil: "Mittelständler mit 50 bis 100 Millionen Euro Umsatz sind vielfach überfordert"

Bis vor kurzem argumentierten Autozulieferer ja gerne, dass der Umstieg auf Elektromobilität erst in frühestens Mitte der 2020er-Jahre ins Kontor schlagen würde. Stimmt das überhaupt?

Ich glaube, dass das getrieben durch China schneller gehen wird. Denn die Entscheidung über die Akzeptanz von Elektroautos treffen die Chinesen, die mittlerweile den größten Automarkt der Welt haben. China hat aufgrund seiner Umweltproblematik gar keine andere Wahl, als auf Elektromobilität zu setzen. Darauf reagieren nun die Hersteller. VW etwa hat ein riesiges Investitionsprogramm für E-Autos aufgesetzt. Die Entscheidung ist damit gefallen. Wer einmal 20 Milliarden Euro investiert hat, kann da gar nicht mehr zurück. Diese Modelloffensiven schlagen auch auf die Zulieferer durch und verunsichern die Mitarbeiter. Immer weniger Menschen bestellen heute noch einen nagelneuen Diesel - viele warten ab, ob es nicht doch einen Hybrid oder ein batterieelektrisches Modell gibt. Das ist fast schon eine selbst erfüllende Prophezeiung.

Sie haben sich auf Übernahmeberatungen bei kleineren Zulieferern spezialisiert. Haben die kleineren Mittelständler andere Probleme als die großen Zulieferer?

Die Auswirkungen sind für die kleineren viel signifikanter. Große Zulieferer wie Bosch oder Continental haben eine ganz andere Finanzkraft. Sie stellen verstärkt proprietäre Produkte her, bei Bosch etwa treiben die Patente den Gewinn - von ESP bis hin zur Dieselsteuerung. Ein kleinerer Zulieferer liefert ja häufig Teile nach Design der größeren. Damit hat er geringere Margen und ist finanziell schlechter aufgestellt.

Was ist das Problem mit einer geringeren Finanzkraft?

Die Zeiten werden anspruchsvoller. Neue Technologien wie der Elektroantrieb erfordern Investitionen. Die großen Hersteller oder Zulieferer können sie stemmen, ein Mittelständler mit 50 bis 100 Millionen Umsatz ist da aber überfordert. Da geht es weniger um Entwicklungsinvestitionen, sondern um Fertigungsausgaben. Die kleineren müssen einen Spagat schaffen: Sie müssen weiter Teile für Verbrennungsmotoren liefern und da vielleicht in neue Maschinen investieren. Parallel dazu muss er aber eine neue Fertigung für Elektroauto-Teile aufbauen, und das mit knappen finanziellen Ressourcen.

Wie viele Mittelständler schaffen das aus ihrer Sicht?

Das führt bei vielen zu großen Schwierigkeiten. Da wird es bald eine Konsolidierungswelle geben. Viele kleine Mittelständler werden das nicht schaffen und werden wohl unter den Schirm eines größeren schlüpfen. Der hat dann die Möglichkeit, die notwendigen Investitionen zu stemmen. Zudem fordern die Autohersteller gerne, dass Zulieferer bei ihrer Internationalisierung mitziehen und ausländische Werke aufbauen. Das ist für kleine Player finanziell schwierig.

Welche Kompetenzen fehlen den deutschen mittelständischen Zulieferern, die in Zukunft wichtiger werden?

Grundsätzlich ist der deutsche Mittelstand schon sehr gut aufgestellt, gerade die Inhabergeführten Unternehmen sind oft auch gut gemanagt. Wir sehen aber öfters Probleme im kaufmännischen Bereich. In kleineren Unternehmen fehlt da oft Transparenz im Sinne von Controlling. Wenn man nur einen Standort hat, reicht es, wenn der Chef durch die Fertigung geht und so die Probleme sieht. Wenn ein Unternehmen dann aber eine Fertigung in China oder Mexiko aufbaut, kann man diese nicht mehr mit Bauchgefühl steuern. Da benötigen die Unternehmen dann professionelle Controlling-Systeme und ein Reporting. Mit diesem Knowhow-Zuwachs tun sich viele schwer, auch vom Management.

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