21.05.2014 
Produktionspause bei Saab

Mayday in Trollhättan

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Positive Schlagzeilen sehen anders aus: Ein halbes Jahr nach dem Neustart der Produktion hält die schwedische Automarke Saab die Bänder schon wieder an. Saab-Eigner NEVS spricht von einem kurzfristigen Stopp wegen Liquiditätsproblemen - und kündigt gleichzeitig Großes an.

Hamburg - Die Bilder, die im Saab-Werk in Trollhättan Anfang Dezember 2013 geschossen wurden, sehen durchaus vertrauenserweckend aus. In einer blank polierten Fabrikhalle stehen Manager in dunklen Anzügen vor schwarz lackierten Saab-Modellen. Arbeiter überprüfen die ersten neu produzierten, wie an einer Perlenschnur aufgereihten Schweden-Autos. Besucher beklatschen artig das erste vom Band gerollte Fahrzeug.

Die fast schon klinische Reinheit des Werkes steht auch optisch für den Neustart, den die Marke Saab seither versucht. Vor einem halben Jahr nahm Saab wieder die Autoproduktion auf - nach zwei Jahren des Stillstands. Ein neuer Eigentümer, das Konsortium National Electric Vehicles Sweden (Nevs), sorgte für das notwendige Kapital - und verhandelte erfolgreich mit den Lieferanten der Schweden. Saab produziert seit Anfang Dezember sein gut zehn Jahre altes Modell 9-3 in leicht abgeänderter Form weiter - doch jetzt müssen die krisenerprobten Schweden eine Zwangspause einlegen.

Der einstige Bestseller rollt in Kleinstserie vom Band

Denn Nevs hat gestern einen "kurzzeitigen Stopp der Produktion" wegen Liquiditätsproblemen angekündigt. Schuld daran sei ein Anteilseigner, der seiner vertraglichen Pflicht zur Finanzierung des Unternehmens nicht nachgekommen sei, begründet Nevs seinen Schritt. Der Haupteigner National Modern Energy Holdings habe sich daher entschlossen, die Finanzierung allein zu übernehmen, kurzfristig aber nicht genügend Kapital zusammenbekommen.

Um diesen Engpass zu überbrücken, werde die Produktion nun angehalten. Spannend ist dabei ein Detail, das in der Nevs-Pressemitteilung zu finden war. Zuletzt rollten in Trollhättan immerhin sechs Autos pro Tag von den Bändern. Im Dezember hatte Saab mit zehn Autos angefangen - pro Woche.

Größere Absatzmengen kann Saab mit dieser Produktionsleistung kaum erwarten. Hochgerechnet auf ein Jahr verlassen bei diesem Tempo nur etwas mehr als 2000 Fahrzeuge das Werk. Doch der aktuell produzierte Saab 9-3 Aero ist für Schweden ohnehin ein Auslaufmodell. Denn Nevs will zusammen mit Partnern eine neue Plattform entwickeln, die als Basis für künftige Modelle dienen soll.

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