08.11.2019 
Volkswagen-Tochter

Aufsichtsrat will bald neuen Audi-Chef küren

Von Simon Hage, DER SPIEGEL

Schon am nächsten Freitag könnte Markus Duesmann nach SPIEGEL-Informationen zum neuen Audi-Chef ernannt werden. Der ehemalige BMW-Vorstand soll die schwächelnde Premiummarke sanieren.

Der Volkswagen-Konzern will in den nächsten Wochen einen neuen Chef für die Premiumtochter Audi küren. Das Thema solle bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 15. November behandelt werden, heißt es nach SPIEGEL-Informationen aus Konzernkreisen. Ob an diesem Tag bereits eine offizielle Entscheidung gefällt werde, sei noch offen, aber sehr wahrscheinlich. Der Handlungsdruck sei groß, heißt es.

Für den Posten ist der frühere BMW-Vorstand Markus Duesmann, 50, seit längerem vorgesehen. Er wird nach derzeitigem Stand am 1. April 2020 an die Audi-Spitze rücken. Volkswagen will die Personalie nicht kommentieren.

Duesmann soll bei der schwächelnden Premiummarke tiefgreifende Reformen umsetzen. Der Motorenexperte ist der Wunschkandidat des VW-Chefs Herbert Diess. Nur mit einem Ingenieur an der Spitze, lautet die Überzeugung im VW-Konzern, könne Audi die frühere Innovationskraft zurückgewinnen und damit dem Slogan "Vorsprung durch Technik" wieder gerecht werden. Der derzeitige Audi-Chef Bram Schot ist Vertriebler, dessen Vorgänger Rupert Stadler war Finanzer.

Derzeitiger Audi-Chef könnte im Konzernvorstand bleiben

Auch die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch fordern intern seit einer Zeit, Audi müsse wirtschaftlicher aufgestellt werden. Das Unternehmen achte zu stark auf die Auslastung seiner Werke in Deutschland, statt die tatsächliche Nachfrage in den Blick zu nehmen. Die Überproduktion von Audi-Modellen habe zur Folge, dass Händler oft Preisnachlässe gewähren müssten.

Aktuell verhandeln Betriebsrat und Audi-Führung darüber, die Kapazitäten der Werke in Ingolstadt und Neckarsulm um je 100.000 Autos pro Jahr zu reduzieren. Im Gegenzug fordern die Arbeitnehmervertreter eine Verlängerung der Beschäftigungsgarantie, die aktuell bis 2025 gilt. Eine Einigung könnte bereits in der kommenden Woche erzielt werden, berichten Insider.

Ob die Neubesetzung der Audi-Spitze am nächsten Freitag bereits beschlossen wird, hängt auch davon ab, ob der VW-Konzern sich bis dahin mit dem bisherigen Amtsinhaber Schot einig wird. Zur Diskussion steht, dass Schot zwar den Chefposten bei Audi abgibt, aber Mitglied im VW-Konzernvorstand bleibt. Dort könnte er neben dem Vertriebsressort, das er schon heute innehat, zusätzlich noch das China-Geschäft übernehmen. Aber auch ein Ausscheiden aus dem Konzern ist denkbar.