14.01.2020 
Britischer Sportwagenbauer sucht dringend Investoren

Aston Martins letzte Hoffnung sind Geely und ein US-Milliardär

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Bei der legendären britischen Sportwagenmarke Aston Martin geht es aktuell mal wieder ziemlich rund. Der Börsengang Ende 2018 erwies sich für Investoren als veritabler Flop - das Papier notiert aktuell bei einem Viertel seines Ausgabepreises. Vergangene Woche schockte Aston Martin mit einer Gewinnwarnung - und das, obwohl das vom Automanager Andy Palmer geführte Unternehmen vor wenigen Wochen seinen Hoffnungsträger, den Luxus-SUV DBX, präsentiert hatte.

Seit wenigen Tagen geht es mit Aston Martins Aktienkurs aber wieder aufwärts. Denn am vergangenen Freitag vergangener Woche berichtete die "Financial Times" ("FT") , dass der chinesische Autobauer Geely ein Investment in Aston Martin erwäge. Daimler-Großaktionär Geely führe bereits Due-Diligence-Prüfungen bei dem Sportwagenbauer durch, hieß es in dem Artikel. Die Gespräche könnten aber eher zu einer Technologiepartnerschaft als zu einem vollen Investment führen, zitiert die "FT" einen mit der Sache vertrauten Insider.

Bereits im Rahmen seiner Gewinnwarnung hatte Aston Martin erklärt, weiterhin mit potenziellen strategischen Investoren über einen möglichen Einstieg zu sprechen, der möglicherweise auch eine Beteiligung am Eigenkapital des Sportwagenbauers beinhalte.

Nun scheint das konkreter zu werden. Noch ist der Einstieg von Geely nicht fix, in einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg taucht noch ein weiterer potenzieller Investor auf: Der kanadische Milliardär Lawrence Stroll, der sein Vermögen mit Investments in Modemarken wie Pierre Cardin und Ralph Lauren gemacht hat. Stroll ist zudem Eigentümer des Formel-1-Teams Racing Point, der PS-Branche also ohnehin nicht ganz fern. Er soll in "fortgeschrittenen Diskussionen" über ein Aston-Martin-Investment in Höhe von 200 Millionen Pfund stehen.

Für Spannung sorgt aber eher ein möglicher Einstieg von Geely. Denn dessen Eigentümer und Chef, der chinesische Tycoon Li Shufu, rührt aktuell kräftig in der Autobranche herum. Vor knapp einem Jahrzehnt hat Geely die schwedische Luxusmarke Volvo gekauft. Danach hat er noch die seit Langem angeschlagene britische Sportwagenmarke Lotus übernommen, die er zum Porsche-Gegenspieler ausbauen will. Und vor gut zwei Jahren ist er auch noch als Großaktionär bei dem deutschen Autobauer Daimler eingestiegen, bei dem Li nun einen Minderheitsanteil von knapp 10 Prozent hält.

Schnappt sich Geely-Chef Shufu die nächste Luxusmarke?

Über Geelys Einkaufstour hat manager magazin schon vor Längerem ausführlich berichtet. Geely-Gründer Li plant zusammen mit Volvo zudem den Einstieg ins Motorengeschäft: Li will die Verbrennungsmotoren-Einheiten von Geely und Volvo zusammenlegen, diese sollen dann auch Motoren für Drittkunden bauen. Als möglicher Kunde gilt dabei auch Daimler, erste Gespräche sind aber gescheitert.

Spannend an einem Deal mit Aston Martin wäre für Shufu wohl auch eine Verbindung zu Daimler: Die Stuttgarter sind seit 2013 an Aston Martin beteiligt und liefern den Briten Motoren sowie Bestandteile für Infotainmentsysteme.

Klar ist aber, dass der Sportwagenbauer schnell neue Investoren benötigt. Aston Martin ist wegen vieler Probleme seit Monaten unter Druck: Der Absatz der Briten ist zuletzt gesunken, die Kosten waren hoch, und dazu muss Aston noch die Folgen des Brexit bewältigen.

Aus dem Schlamassel fahren will Aston mit dem knapp 193.000 Euro teuren, neuen SUV DBX, dessen Serienversion Aston Martin-Chef Palmer im November vergangenen Jahres vorstellte. Bislang hat Aston 1800 Bestellungen für den DBX eingesammelt, heißt es in Berichten - eine Bedingung dafür, dass dem Autobauer ein weiterer Kredit über 100 Millionen Dollar eingeräumt wurde.

Wie eng der finanzielle Spielraum der Briten derzeit ist, zeigt auch ein vor einer Woche veröffentlichter Finanzbericht. Zum Jahresende 2019 hatte Aston demnach nur mehr einen Cash-Bestand von 107 Millionen Pfund. Für eine mögliche Schuldenfinanzierung über 100 Millionen Dollar soll Aston laut Bloomberg satte 15 Prozent Jahreszins bezahlen müssen.

Solche Finanzierungsbedingungen unterstreichen, warum Aston lieber heute als morgen neue Investoren an Bord holen will. Derzeit halten die Private-Equity Firmen Investindustrial (Italien) und Adeem (Kuwait) rund 60 Prozent an Aston Martin. Investindustrial soll laut Berichten bereit sein, bei einer Kapitalerhöhung mitzuziehen.

Es besteht also gute Hoffnung, dass der Filmheld James Bond in seinen nächsten Abenteuern weiterhin Aston Martin fährt. Im demnächst startenden Bond-Film "Keine Zeit zu sterben"fährt der Agent ihrer Majestät erstmals Elektroauto als Dienstwagen. Doch die Serienproduktion des Rapide E hat Aston Martin nun offenbar auf Eis gelegt.

In Zukunft wird also wohl auch Bond auf einen SUV umschwenken müssen. Sollte Geely bei Aston Martin einsteigen, könnten die Briten dann ja bei Bedarf auf die Elektroantriebe der Chinesen umsatteln - for England, James.

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