04.02.2019 
Medienbericht

Manager erhebt Abgasskandal-Vorwürfe gegen VW-Chef Diess

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Nach dem Auffliegen des Abgasskandals hat der Volkswagen-Konzern bislang sechs leitenden Mitarbeitern gekündigt, die überwiegend in der Motorenentwicklung tätig waren. Doch offenbar wurden nicht alle mutmaßlich an den Softwaremanipulationen beteiligten Manager in gleicher Art und Weise behandelt - einer erhielt offenbar eine andere Behandlung und soll mit Aussagen den jetzigen VW-Chef Herbert Diess belasten.

Mit einem internen Kronzeugen soll der Autobauer im Dezember 2015 einen geheimen Vertrag geschlossen haben, berichtet die "Bild am Sonntag" (BamS). Die Sonderregelung zwischen dem Konzern und dem Hauptabteilungsleiter Antriebselektronik sieht laut dem Bericht vor, dass der Mitarbeiter an der Aufdeckung des Skandals mitarbeiten und bei Behörden Zeugenaussagen machen solle.

Volkswagen beschäftigte den Manager im Gegenzug weiter und verzichtet auf arbeits- und zivilrechtliche Ansprüche. Auch Schadenersatzforderungen von VW hat der Manager dem Bericht zufolge nicht zu befürchten, Ansprüche von Dritten oder Geldauflagen soll VW ebenfalls übernehmen. Der Anwalt des Managers und Volkswagen wollten sich zu den Vertragsinhalten nicht äußern.

Der Sondervertrag mit dem Manager dürfte dem Konzern geholfen haben, den Ablauf der Software-Manipulationen schnell zu rekonstruieren. Ende 2015 sei Volkswagen zur Aufklärung angewiesen gewesen auf die Unterstützung einzelner Mitarbeiter im Entwicklungsbereich, verlauteten Konzernkreise gegenüber dem "Handelsblatt". Die sechs von VW geschassten Manager wehren sich gegen ihre Kündigungen wegen angeblicher Beteiligung an den Motorenmanipulationen. Die ersten Prozesse starten kommende Woche vor dem Braunschweiger Arbeitsgericht.

Diess soll bereits im Juli 2015 von Schummelsoftware erfahren haben

Der Topmanager aus dem Antriebselektronikbereich muss ein solches Gerichtsverfahren nicht anstrengen. Laut "BamS" ist er wohl freigestellt, kassiert aber weiterhin volle Bezüge. Strafrechtlich könnte er allerdings noch belangt werden.

Mit seinen Aussagen soll er laut "BamS" aber dennoch VW-Konzernchef Herbert Diess in die Bredouille bringen. Laut einem Schriftsatz seines Anwalts an die Staatsanwaltschaft Braunschweig will der Topmanager den damaligen VW-Markenchef Diess bereits am 22. Juli 2015 über die Betrugssoftware informiert haben. Diess wäre demnach bereits acht Wochen vor dem Bekanntwerden des Dieselskandals über die Schummelsoftware informiert gewesen.

Laut dem Anwaltsschreiben soll Diess bei dem Treffen den Eindruck gemacht haben, das Problem bereits in den Grundzügen zu kennen. Bei BMW habe man eine solche Funktion nicht verwendet, soll er erklärt haben - sondern offenbar eine ähnliche, die im Gegensatz zu jener von VW rechtlich zulässig sei. Diess sei am 22. Juli 2015 auf Dienstreise in China gewesen, erklärte Volkswagen gegenüber der "BamS" zu den Aussagen im dem Anwaltsschreiben.

Sollte die Aussage des Antriebselektronik-Topmanagers und der Zeitpunkt so stimmen und sich beweisen lassen, könnte das für Diess aber unangenehme Konsequenzen haben. Denn die Braunschweiger Staatsanwälte ermitteln wegen Marktmanipulation gegen Diess - und eine Reihe ehemaliger VW-Vorstände. Der Vorwurf: Die VW-Führungsriege soll Aktionäre und Märkte zu spät über den drohenden Abgasskandal informiert haben. Diese Vorwürfe weisen Diess und seine ehemaligen VW-Vorstandskollegen zurück.

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