29.03.2019 
7 Milliarden Dollar für Bremsenhersteller Wabco geboten

ZF Friedrichshafen will weltweit Nummer 3 der Autozulieferer werden

Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen will den Lkw-Bremsenhersteller Wabco für gut sieben Milliarden Dollar schlucken und damit sein Nutzfahrzeuggeschäft ergänzen. Der Stiftungskonzern vom Bodensee bietet 136,50 Dollar für jede der an der New Yorker Börse notierten Wabco-Aktien, teilten ZF und Wabco am Donnerstag mit.

"Wir sind davon überzeugt, dass ZF gemeinsam mit Wabco den weltweit führenden Systemanbieter für Nutzfahrzeugtechnik bilden kann", erklärte ZF-Chef Wolf-Henning Scheider. Bremsentechnik werde für Lkw beim autonomen Fahren immer wichtiger, begründete er die Übernahmepläne. Sie waren vor rund vier Wochen durchgesickert.

Die Wabco-Aktionäre müssen noch zu mindestens 50 Prozent der Übernahme zustimmen. Die Übernahme soll 2020 abgeschlossen sein. Den Segen des Gesamtbetriebsrats hat ZF offenbar. "Ich sehe die Übernahme von Wabco positiv. Zum einen ist die industrielle Logik gegeben, da Wabco als Bremsenhersteller unser bisheriges Portfolio sinnvoll ergänzt. Zum anderen ist die Finanzierung weniger risikobehaftet, weil ZF in den vergangenen Jahren massiv Schulden abgebaut hat", sagte Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich der "Schwäbischen Zeitung".

Nach Fusion drittgrößter Autozulieferer der Welt

ZF Friedrichshafen würde mit Wabco auf einen Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro wachsen und ließe damit den japanischen Konkurrenten Denso hinter sich. Das Unternehmen vom Bodensee stiege nach der Übernahme zum drittgrößten Zulieferer der Welt hinter Bosch und Continental auf.

Die beinahe 150 Jahre alte Wabco (ehemals Westinghouse Air Brake Systems) erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit rund 16.000 Mitarbeitern (davon 2600 Ingenieure) in 40 Ländern einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro, berichtet die Schwäbische Zeitung in ihrer Online-Ausgabe.

"Wir sehen in Zukunft große Chancen, aber diese umzusetzen, wird eine größere Herausforderung", erklärte Wabco-Chef Jacques Esculier. "Das ist die richtige Verbindung zum richtigen Preis zur richtigen Zeit."

Viele Wabco-Aktionäre hatten offenbar auf mehr gehofft: Am Mittwoch schloss die Aktie bei 146 Dollar, am Donnerstag fiel sie auf 131,50. Der Konzern war 2007 von American Standard abgespalten und an die Börse gebracht worden.

Der Autozulieferer vom Bodensee schaut seit Jahren mit großem Interesse auf den Bremsen-Bereich. 2016 scheiterte der Versuch, die schwedische Haldex zu übernehmen. Auch an Wabco hatte ZF früher schon einmal Interesse gezeigt.

rei mit Reuters

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