02.04.2019 
Weniger Wachstum

WTO senkt Prognose für Welthandel deutlich

Die Welthandelsorganisation (WTO) warnt die Regierungen angesichts von Strafzöllen und anderen Handelshemmnissen vor einem "historischen Fehler". Das auf bestimmten Regeln basierende Handelssystem zu schwächen, "wäre ein historischer Fehler - mit Auswirkungen für Jobs, Wachstum und Stabilität rund um die Welt", sagte WTO-Chef Roberto Azevedo am Dienstag in Genf bei der Vorlage des Welthandels-Ausblicks.

Der globale Warenaustausch wird laut WTO von internationalen Handelskonflikten ausgebremst. Das Wachstum werde 2019 wohl auf 2,6 Prozent nachlassen. Bislang war die WTO von 3,7 Prozent ausgegangen, nachdem es 2018 noch zu 3 Prozent gereicht hatte. 2020 könnte es einen Anstieg um 3 Prozent geben.

"Angesichts der enormen Handelsspannungen sollte sich niemand über diesen Ausblick wundern", sagte WTO-Generaldirektor Roberto Azevedo. "Der Handel kann seine Rolle als Wachstumstreiber nicht voll ausspielen, solange wir ein so hohes Maß an Unsicherheit haben."

Als aktuell größtes Risiko gilt der Handelskonflikt zwischen den beiden Wirtschaftsmächten USA und China, die sich mit Strafzöllen überzogen haben. Noch mehr Schaden können der WTO zufolge die von den USA angedrohten Importzölle auf Autos anrichten. "Der Austausch zwischen den USA und China macht etwa 3 Prozent des Welthandels aus", sagte Chefvolkswirt Robert Koopman. "Der globale Automobilhandel macht aber etwa 8 Prozent des Welthandels aus. Man kann sich also vorstellen, dass die Folgen der Autozölle größer sein werden."

Während Washington und Peking derzeit über eine Beilegung ihres Streits verhandeln, könnte US-Präsident Donald Trump im späteren Jahresverlauf Autozölle gegen die Europäische Union ankündigen. Sollten die ohnehin schon großen Spannungen dadurch noch zunehmen, könnte der Welthandel in diesem Jahr auch nur um 1,3 Prozent wachsen, warnte die WTO deshalb. Zu den Risiken gehöre auch ein ungeordneter EU-Abschied Großbritanniens. Umgekehrt könnte bei einer Lösung der Konflikte ein größeres Plus von bis zu 4 Prozent herausspringen.

Die deutschen Exporteure rechnen ungeachtet der zahlreichen Risiken in diesem Jahr mit einem Umsatzrekord. Die Ausfuhren dürften um bis zu drei Prozent auf die Bestmarke von 1,357 Billionen Euro zulegen, sagte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) kürzlich voraus. Auch 2018 hatte es ein Plus in dieser Größenordnung gegeben.

rtr/dpa/akn

Mehr zum Thema