03.04.2019 
US-Fahrdienst mit cleverer Geschäftspolitik

Stärkster Kämpfer für Maut in NYC war - ausgerechnet Uber

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So etwas nennt man wohl clevere Geschäftspolitik: Als erste Stadt in den USA wird New York City demnächst eine Mautgebühr für Autos und Lastwagen einführen - und ausgerechnet die Mitfahr-App Uber war offenbar der aktivste Lobbyist, der sich für die Einführung dieser Gebühr eingesetzt hat.

Uber habe seit 2015 insgesamt zwei Millionen Dollar dafür aufgewendet, die Maut in New York Realität werden zu lassen, berichtet die "Financial Times". Damit sei der Beförderungsdienst der größte Unterstützer des Vorhabens gewesen.

Seit dieser Woche besteht bei den Verantwortlichen von Uber also Grund zur Freude: Am Montag stimmte das Parlament des Bundesstaates New York dafür, spätestens ab Ende 2021 eine Gebühr von allen Pkw und Lkw zu erheben, sobald sie ins Innere von New Yorks Business-Distrikt Manhattan fahren. Damit sollen nicht nur die chronisch verstopften Straßen der Millionenmetropole entlastet werden. Die Stadt erhofft sich auch Milliardeneinnahmen, die der Verbesserung des maroden New Yorker U-Bahn-Systems zugute kommen sollen.

Um dies zu erreichen, versuchte Uber Abgeordnete zu überzeugen, schaltete TV-Spots und überwies allein 700.000 Dollar an die Organisation "Fix Our Transit", die das gleiche Ziel verfolgt, so die "FT".

Der Hintergrund dieser Aktivitäten scheint klar: Beförderungsdienste wie Uber oder auch der größte US-Konkurrent Lyft stehen in der Dauerkritik, zur Verstopfung der Straßen sowie zur Luftverschmutzung in den Städten beizutragen. Die Behörden in San Francisco beispielsweise machen die Unternehmen bereits für die Hälfte der zusätzlichen Staus verantwortlich, die die Stadt zwischen 2010 und 2016 erleben musste.

Eine Maut, wie sie jetzt von New York eingeführt wird und wie es sie bald auch in weiteren US-Städten geben könnte, trifft zwar auch die Uber-Fahrzeuge, die in den entsprechenden Regionen unterwegs sind. Uber, Lyft und ähnliche Anbieter könnten aber dennoch zu Profiteuren derartiger Gebühren werden, wenn ausreichend Menschen aufgrund der Zusatzkosten ihre Autos stehen lassen und stattdessen in die Wagen der Fahrdienste steigen.

Hinzu kommt der Image-Gewinn, den Lobby-Aktivitäten wie diese mit sich bringen können. Gerade ein Unternehmen wie Uber, das in der Vergangenheit mit Skandalen und Rechtstreitigkeiten kein allzu gutes Bild in der Öffentlichkeit abgab, will davon vermutlich profitieren.

Und: Die Maut als Lösung der Verkehrs- und Umweltprobleme ist aus Sicht von Fahrdiensten wie Uber oder Lyft immer noch die attraktivere Option gegenüber Alternativen wie beispielsweise der Beschränkung der Anzahl von Lizenzen für die Fahrer der Unternehmen, über die ebenfalls bereits gestritten wurde.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Kein Wunder also, dass Uber sich die Lobby-Arbeit in diesem Bereich viel Geld kosten lässt. Laut "FT" hat das Unternehmen für die kommenden drei Jahre insgesamt zehn Millionen Dollar eingeplant für die Unterstützung einer sogenannten "Nachhaltigen Mobilität". Dazu zähle der Einsatz für Straßengebühren, bessere öffentliche Verkehrssysteme, Parkmöglichkeiten und ähnliches, heißt es. Auch Lyft mache sich bereits für Maßnahmen in dieser Richtung stark, so die "FT".

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