18.05.2020 
12 Milliarden Euro fehlen, Schulden drücken

Absturz von Wework und Uber beschert Softbank Rekordverlust

Milliardenschwere Abschreibungen auf Beteiligungen am angeschlagenen Bürovermittler WeWork sowie dem Fahrdienst Uber haben dem japanischen Technologieinvestor Softbank einen Rekordverlust beschert. Wegen stark geschrumpfter Werte der Investitionen des Vision Funds sei im abgelaufenen Geschäftsjahr ein operativer Fehlbetrag von umgerechnet fast 12,1 Milliarden Euro angefallen, teilte das hoch verschuldete Unternehmen des weltweit bekannten Gründers Masayoshi Son am Montag mit.

Nun sollen Verkäufe in der die Situation noch verschärfenden Coronakrise für dringend nötige Liquidität sorgen. Zum einen soll die Beteiligung am chinesischen Onlinehändler Alibaba um fast elf Milliarden Euro schrumpfen, zum anderen will sich Softbank wohl auch von Anteilen an der Telekom-Tochter T-Mobile US trennen. Die Japaner verhandeln laut Wall Street Journal mit der Deutschen Telekom über einen Deal, der letztlich den Anteil der Bonner an dem US-Mobilfunker auf über 50 Prozent hieven würde.

Softbanks Einhornochse: Wie Masayoshi Son die größte Techwette der Welt verlor

Kann die Telekom einen weiteren Anteilskauf an T-Mobile stemmen?

Eine Stimmrechtsvereinbarung mit Softbank erlaubt es Europas größtem Telekomkonzern, auch für die bei Softbank liegenden Aktien in Höhe von 23 Prozent die Stimmrechte auszuüben und die Tochter zu konsolidieren. Diese Einigung wäre wohl hinfällig, sollten die Japaner an jemand anderen als die Bonner verkaufen. Die Deutsche Telekom wollte keine Stellung nehmen. Der Marktwert von T-Mobile US liegt derzeit bei rund 120 Milliarden Dollar, die Deutsche Telekom kommt auf etwa 65 Milliarden Euro.

Softbank Vision Fund: 75 Milliarden Dollar in 88 Start-ups

Braucht frisches Geld: Softbank-Chef Masayoshi Son
Alessandro Di Ciommo/NurPhoto via Getty Images
Braucht frisches Geld: Softbank-Chef Masayoshi Son

Softbank hat selbst sowie über den Vision Fund seine Hände in vielen Geschäften. Allein der Vision Fund hat 75 Milliarden Dollar in insgesamt 88 Start-ups gesteckt - beispielsweise auch den Berliner Gebrauchtwagenhändler Auto1.

Allein auf WeWork und Uber entfallen Abschreibungen von fast zehn Milliarden Dollar. Weitere 7,5 Milliarden Dollar machte die Coronavirus-Pandemie zunichte, was letztlich zu einem Betriebsverlust des Vision Fund im abgelaufenen Geschäftsjahr von 18 Milliarden Dollar führte. Es war das dritte Minus in Folge.

Son vergleicht Krise mit Großer Depression

Details zu einzelnen Investitionen gab es wenige von Softbank. Dafür verglich Son die Krise mit der Großen Depression. Die japanische Wirtschaft ist erstmals seit viereinhalb Jahren wieder in eine Rezession gerutscht. Softbank warnte vor weiteren Negativschlagzeilen. Die Unsicherheit wird demzufolge im laufenden Geschäftsjahr andauern, weswegen sich niemand zu einer möglichen Dividendenzahlung äußern wollte.

Son kündigte "vorsichtige" Investitionen an und bezeichnete die milliardenschwere Beteiligung an WeWork, die Softbank auf die Füße fiel, als "Fehler". Einen prominenten Unterstützer hat Son inzwischen verloren. Alibaba-Gründer Jack Ma verlässt den Softbank-Board, in den viele neue Gesichter Einzug halten.

Fusion von Sprint und T-Mobile: Wie T-Mobile die Nummer eins in den USA werden will

Erst im April war die milliardenschwere Fusion von T-Mobile US und der Softbank-Tochter Sprint genehmigt worden. Nach einem Aktientausch und der Abgabe von Aktien durch Softbank liegt die Beteiligung der Deutschen Telekom an der neuen T-Mobile bei rund 43 Prozent, der Stimmrechtsanteil hingegen bei 67 Prozent.

Softbank-Aktien legten in Tokio zu. Das Unternehmen sitzt nach fehlgeschlagenen Investitionen wie zum Beispiel in den Bürovermittler WeWork auf einem hohen Schuldenberg und hat bereits angekündigt, diesen auch über Anteilsverkäufe abbauen zu wollen.

la/Reuters

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