30.10.2019 
Grünes Licht für Top-Personalie

Sigrid Nikutta - das ist die künftige Frau im Bahn-Vorstand

Von und

Im Postengeschacher an der Spitze der Deutschen Bahn zieht offenbar Bahnchef Richard Lutz den Kürzeren. Wie der SPIEGEL und verschiedene Nachrichtenagenturen berichten, hat sich der Personalausschuss des Bahn-Aufsichtsrats darauf geeinigt, Sigrid Nikutta, bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), zum Gütervorstand der Bahn zu berufen. Am 7. November soll der Bahn-Aufsichtsrat die Personalie absegnen, heißt es, und am 1. Januar kommenden Jahres soll Nikutta bei der Bahn starten. Bahnchef Lutz hatte zuvor mit allen Mitteln versucht, die Beförderung zu verhindern.

Dieses perfide Vorhaben ist nun offenbar endgültig gescheitert: Nikutta soll von Vorstand Alexander Doll den Güterverkehr übernehmen und würde damit ihr erklärtes Ziel erreichen, in den Vorstand ihres früheren Arbeitgebers aufzurücken. Doll bliebe weiterhin das Finanzressort. Wer ist die künftige Frau im Bahn-Vorstand, die schon mehrfach für den Posten gehandelt worden war?

Fachkundig, klar, kompetent, durchsetzungsstark - solche und ähnliche Attribute sind über die 50-jährige Mutter von fünf Kindern zu lesen. Die promovierte Psychologin war früher bei der Güterbahn DB Cargo und macht an der Spitze der BVG augenscheinlich einen guten Job. Kein Wunder, dass es Männer wie Bahnchef Lutz oder auch der Bahnvorstand und frühere CDU-Politiker Ronald Pofalla mit der Angst bekommen: Die Dame könnte den Herren das Leben um einiges ungemütlicher machen.

Schon als Sigrid Nikutta 2010 die Leitung der BVG übernahm, hatte sie kein Headhunter auf dem Zettel. Die gebürtige Polin arbeitete damals weit weg von Berlin - als Produktionsvorstand der Bahn-Tochter Schenker Rail in Zabrze, Polen. Nikuttas Gatte fand die Jobanzeige in der Wochenendzeitung und las sie ihr vor. "Am Sonntagabend habe ich vorm Einsteigen in den Flieger noch schnell mein CV gemailt", erinnerte sich Nikutta in einem Gespräch mit manager Magazin.

Dabei war der Weg zur BVG ebenso wenig ein Durchmarsch für die Managerin wie jener in den Bahn-Vorstand. Auch im Personalausschuss des BVG-Aufsichtsrats wirkten seinerzeit starke Kräfte, um die als fachfremd kritisierte Seiteneinsteigerin zu verhindern.

Doch Nikutta belehrte ihre Kritiker eines Besseren: Der CEO-Job bei den Verkehrsbetrieben war mit dem Technikressort verknüpft, und Nikutta wollte beides. Die Folge: Die BVG-Granden nahmen sie ins Kreuzverhör, fragten nach Details des Lokomotiv-Antriebs und der Schienensteuerung. Nikutta parierte und bekam den Job.


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In den neun Jahren ihrer Amtszeit hat sie seither vieles richtig gemacht, wenngleich zuletzt in der Lokalpresse auch Kritik laut wurde. Seit 2013 erzielt der Landesbetrieb nach durchgängig defizitären Jahrzehnten ein positives Betriebsergebnis, wie die BVG im April dieses Jahres zuletzt bekanntgeben konnten. Fahrgast- und Abonnements-Zahlen erreichten zuletzt Rekordwerte. Am Mittwoch sagte BVG-Aufsichtsratschefin Ramona Pop von den Grünen, Nikuttas Weggang wäre "ein Verlust für Berlin". Ende 2016 hatte der BVG-Aufsichtsrat Nikuttas Vertrag noch bis 2022 verlängert.

Nun bekommt sie offenbar einen neuen, bei der Deutschen Bahn, für die sie früher schon 14 Jahre lang gearbeitet hatte. Nikutta bleibt damit in einer Branche, die mehr noch als viele andere von Männern dominiert wird. Doch damit kann sie umgehen: Nikutta ist so etwas wie eine "Rampensau". Sie kann jeden Saal mit Anekdoten aufmischen, zieht scherzhaft auch gerne gegen die mächtigen Jungs in den Konzernen zu Felde. Zudem ist sie bestens verdrahtet, in Berlin etwa als Vizepräsidentin des VBKI, des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller, dem sie zusammen mit Andrea Grebe (Vivantes), Ingeborg Neumann (Textilunternehmerin, BDI-Schatzmeisterin) und Internetunternehmerin Verena Pausder neues Leben eingehaucht hat.

Wenn Sigrid Nikutta bei der Deutschen Bahn startet, dürfte eine Amtshandlung bereits feststehen: Sie wird sich wohl einen neuen Schal kaufen. Auf Fotos trägt die Managerin bislang sehr häufig ein Modell im Muster der Sitzbezüge der BVG. Da muss sie für die Deutsche Bahn nun wohl einen Ersatz finden.

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