30.10.2019 
Teuerster Konzern der Welt

Saudi Aramco soll am 11. Dezember an die Börse

Die scheinbar unendliche Geschichte um den Börsengang von Saudi Aramco steuert doch noch auf die Schlussrunde zu: Der schon Anfang 2016 angekündigte Börsengang des saudiarabischen Ölkonzerns Aramco soll nun am 11. Dezember dieses Jahr über die Bühne gehen.

Der offizielle Startschuss mit den Vorbereitungen für den Börsengang sei für den 3. November geplant, sagten drei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Saudi Aramco wolle einen Anteil von ein bis zwei Prozent platzieren. Mit einem Emissionsvolumen von mehr als 20 Milliarden Dollar wäre es einer der weltgrößten Börsengänge aller Zeiten.

Kronprinz Mohammed bin Salman, dessen Schergen für den Mord an dem Journalisten Jamal Kashoggi in der saudischen Botschaft in Istanbul verantwortlich gemacht werden, hatte einen Börsengang von Saudi Aramco vor drei Jahren erstmals ins Spiel gebracht. Doch der Schritt auf das Parkett verzögerte sich immer wieder. Erst Mitte des Monats hatte Saudi Aramco entschieden, die Erstemission nach den Anschlägen auf Förderanlagen im Herzen der saudi-arabischen Ölindustrie zu verschieben. Beratern sollte Zeit für die Suche nach Ankerinvestoren gegeben werden.

Preisspanne soll Mitte November bekanntgegeben werden

Nun will der Staatskonzern ernst machen, wie die Insider sagten. Der staatliche Nachrichtensender "Al-Arabiya" berichtete, der Preis für die Saudi-Aramco-Aktien solle am 17. November bekanntgegeben werden, die Zeichnungsfrist werde am 4. Dezember beginnen. Der erste Handelstag an der saudi-arabischen Wertpapierbörse Tadawul solle der 11. Dezember sein.

Saudi Aramco erklärte, das Unternehmen äußere sich nicht zu Gerüchten und Spekulationen. Der Staatskonzern sei aber bereit für einen Börsengang. Der Zeitpunkt hänge von den Marktbedingungen und einer Entscheidung durch die Anteilseigner ab.

Kronprinz Mohammed will mit den Einnahmen aus dem Börsengang von Saudi Aramco den Umbau der Wirtschaft finanzieren. So plant er etwa ein gigantisches Infrastruktur-Projekt zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Akaba, wo sich Unternehmen aus allen möglichen Branchen wie der Energie- und Wasserwirtschaft, der Biotechnologie und der Unterhaltungsbranche ansiedeln sollen. Dadurch soll das Königreich weniger abhängig von Öl- und Gassektor werden, der bislang den Großteil der saudi-arabischen Export-Einnahmen beisteuert.

Doch die von Kronprinz Mohammed angestrebte Bewertung für Saudi Aramco von zwei Billionen Dollar wird von einigen Experten infrage gestellt. Die Bemühungen der Länder zur Abkehr von fossilen Brennstoffen beschleunige sich und setze damit den Ölpreis und auch Saudi Aramco unter Druck, erklären die Skeptiker.

Der russische Staatsfonds Russian Direct Investment Fund (RDIF) arbeitet nach eigenen Angaben an einem Investorenkonsortium für den Börsengang von Saudi Aramco. "Es gibt mehrere russische Pensionsfonds, die daran interessiert sind, in den Aramco-Börsengang zu investieren", sagte RDIF-Chef Kirill Dmitriev. "Wir haben auch Informationen von unserem Russland-China-Fonds erhalten, dass einige große chinesische Institute ebenfalls an einem Börsengang von Aramco interessiert sind."

Vor rund einer Woche hatte der Konzern mitgeteilt, trotz der Anschläge im vergangenen Monat seine Pläne für einen Börsengang voranzutreiben. Zugleich lockte Aramco in einer Präsentation mit einer mindestens 75 Milliarden Dollar hohen Dividenden-Ausschüttung.

la/reuters/afp

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