04.12.2018 
Grundzüge für Tarifvertrag stehen

Ryanair einigt sich mit Piloten-Gewerkschaft

Der Billigflieger Ryanair hat sich nach eigenen Angaben mit der deutschen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit auf die Grundzüge eines Tarifvertrages geeinigt. Die Vereinbarung umfasse Eckpunkte zu Bezahlung, Pensionen, Urlaub und Pilotenzulassungen, erklärte das Unternehmen am Dienstag. Die Einzelheiten des Vertrages mit vier Jahren Laufzeit sollten bis Ende Februar verhandelt werden.

Lange Zeit akzeptierte Ryanair nur irisches Recht und lehnte damit die Zuständigkeit der Gewerkschaften in anderen Ländern ab. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichts wich Ryanair von dieser Haltung ab und akzeptierte hierzulande Verdi und Cockpit als Verhandlungspartner.

Die Gewerkschaften forderten einen Manteltarifvertrag sowie einen Vergütungstarifvertrag und einen Tarifvertrag für Personalvertretung". Arbeits- und Urlaubszeiten sowie Stationierungen sollen darin geregelt werden, auch forderten Gewerkschaftler für das Kabinenpersonal, dass das Einkommen existenzsichernd und planbar werden solle.


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Nun sieht die Verabredung laut der Pilotengewerkschaft neben Arbeits- und Vergütungsbedingungen, die bis Ende Februar tarifvertraglich festgeschrieben sein sollen, "bis spätestens Ende März einen Sozialplan und eine Personalvertretung vor". Während dieser Zeit sei eine Friedenspflicht vereinbart. Gelten sollen die Tarife dann bis März 2023. In Deutschland hat Ryanair gut 400 Piloten stationiert. Anfang November hatte bereits die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Streit um einen Tarifvertrag für Flugbegleiter eine Einigung mit Ryanair erzielt und sich auf ein Eckpunktepapier geeinigt. Die zähen Verhandlungen zogen sich über Monate hin und waren von Streiks mit Hunderten von Flugausfällen begleitet.

Die grundsätzliche Einigung wurde mit Hilfe der beiden Schlichter Stefan Simon und Holger Dahl erreicht. Im Vorfeld hatten sich die Gewerkschaften mit Ryanair noch über die Verhandlungssprache der Schlichter, ob deutsch oder englisch, gestritten. Doch nun zeigte sich Cockpit-Vertreter Ingolf Schumacher sehr optimistisch, die angestrebte Einigung tatsächlich erreichen zu können.

Demnach sollen unter anderem die Grundgehälter deutlich zulasten der variablen Gehaltsbestandteile steigen. Ganz junge Co-Piloten könnten mit einer Verdoppelung ihres Fixgehalts auf 50.000 Euro pro Jahr rechnen, heißt es in Papieren der Tarifkommission. Für Kapitäne soll es um bis zu 33 Prozent auf zunächst 100.000 Euro zulegen. Unter dem Strich gebe es leichte Steigerungen des Gesamtgehalts, die aber nicht näher beziffert wurden, weitere jährliche Steigerungen wurden vereinbart.

Ryanair habe seine Ankündigung bereits umgesetzt, die in Deutschland eingesetzten Piloten selbst anzustellen, sagte Schumacher. Früher hatte es viele prekäre Arbeitsverhältnisse bei Verleihfirmen gegeben. Ab Ende Februar 2019 sollen die Arbeitsverträge auf deutsches Recht umgestellt werden, ab April werde deutsches Steuerrecht angewendet. Wegen der geringeren Steuersätze im Vergleich zu Irland steige damit das Nettogehalt der Piloten.

Auch für den Fall von Stationsschließungen und Versetzungen seien soziale Regelungen gefunden worden, bestätigten beide Seiten. Dies soll auch rückwirkend für die geschlossene Station Bremen und die reduzierte Mannschaft in Weeze am Niederrhein gelten. Auch über die Bildung eines Cockpit-Betriebsrats nach Tarifrecht sei man sich einig, erklärte die VC.

rtr/afp/akn

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