25.02.2019 
Heiße Wette auf US-Gentherapie-Spezialisten

Roche zahlt 4,3 Milliarden Dollar für 65 Millionen Dollar Umsatz

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Spark Therapeutics erwirtschaftete im vergangenen Jahr knapp 65 Millionen Dollar Umsatz und einen noch höheren Verlust. Jetzt greift der Schweizer Pharmariese Roche zu und zahlt 4,3 Milliarden Dollar für die Biotechfirma in den USA. Ein Kaufpreis, der 67 Mal so hoch ist wie der Umsatz, ist ein stolzer Preis - und eine gewagte Wette dazu.

Am Ende fiel das Gebot dann doch etwas niedriger aus: Roche will auch im Bereich der Gentherapie mitmischen und kauft zu diesem Zweck das US-Unternehmen Spark Therapeutics für 4,3 Milliarden Dollar. Die Transaktion soll noch im zweiten Quartal 2019 abgeschlossen werden. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen hätten der Transaktion bereits zugestimmt, teilte Roche am Montag mit.

Das Angebot von 114,50 US-Dollar je Spark-Aktie entspreche einem Aufschlag von 122 Prozent gegenüber dem Schlusskurs des vergangenen Freitags. Spark werde seinen Aktionären die Annahme der Offerte empfehlen. Das "Wall Street Journal"(€) hatte zuvor berichtet, der Schweizer Pharmariese sei bereit, fast 5 Milliarden US-Dollar (4,4 Milliarden Euro) für das Unternehmen zu zahlen.

Auch mit dem nun offiziell kolportierten Kaufpreis dürften die Aktionäre von Spark Therapeutics höchst zufrieden sein: Die Marktkapitalisierung des seit 2015 an der Nasdaq notierten Unternehmens hatte am Freitag 1,95 Milliarden US-Dollar betragen. Analysten der Schweizer Großbank UBS bezeichneten am Freitagmorgen in einer ersten Reaktion den Kauf als logisch, der Aufschlag von 122 Prozent sei aber "happig".

Zwei Kennziffern des jungen Unternehmens nehmen sich dazu vergleichsweise bescheiden aus: Spark erzielte laut "Wall Street Journal" im vergangenen Jahr einen Umsatz von lediglich 64,7 Millionen US-Dollar und einen Nettoverlust von 78,8 Millionen US-Dollar.


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Therapien, wie Spark sie entwickelt, die ein defektes Gen durch ein gesundes ersetzen, gelten als noch vergleichsweise junge Behandlungsmethode. Spark wurde 2013 aus der Gentherapie-Forschung am Kinderkrankenhaus von Philadelphia ausgegründet und gilt als Pionier in der Gentherapie für genetisch bedingte Erkrankungen.

Das Unternehmen arbeitet anderen Berichten zufolge nicht nur an neuen Medikamenten gegen Hämophilie (Bluterkrankheit), sondern auch an Therapien für eine genetische Erkrankung des Gehirns (Huntington) und für eine schwere Erkrankung des Nervensystems ("Batten"-Krankheit) . Experten versprechen sich von erfolgreichen Medikamenten und Therapien gegen diese Krankheiten einen milliardenschweren Markt.

Spark kann dabei durchaus einen Erfolg vorweisen. Im Dezember 2017 hatte die zuständige US-Behörde FDA (Food and Drug Administration) die Zulassung für die Gentherapie "Luxturna" zur Behandlung einer seltenen, erblich bedingten Augenkrankheit, die zur Erblindung führen kann, erteilt. Die Kosten dieser Therapie bezifferte Spark auf 850.000 Dollar. "Luxturna" galt damit laut "Deutsche Apotheker Zeitung" im vergangenen Jahr als das teuerste Arzneimittel auf dem US-amerikanischen Markt.

Roche holt sich mit Spark also nicht nur die Chance auf Hoffnung weckende Therapien ins Portfolio, sondern durchaus auch ein Problem ins Haus: nämlich das der Erstattung. Ob Krankenkassen im Fall von "Luxturna" bereit sein werden, so hohe Kosten zu erstatten, ist alles andere als sicher. Allerdings hatte Spark angekündigt, Rabatte anbieten zu wollen, wenn die therapeutischen Ziele nicht innerhalb von 30 bis 90 Tagen beziehungsweise nach 30 Monaten erreicht würden.

rei

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