06.02.2019 
Dividende steigt nach Milliardengewinn

Munich-Re-Aktie auf Dreijahreshoch

Der Rückversicherer Munich Re weist für das vergangene Jahr 2,3 Milliarden Euro Nettogewinn aus. Die Anleger sind positiv überrascht, schließlich war das zurückliegende Jahr von erheblichen Belastungen gekennzeichnet. Die Aktie klettert auf den höchsten Stand seit April 2015.

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat trotz erneut hoher Großschäden im abgelaufenen Jahr einen überraschend hohen Milliardengewinn erzielt. Auch dank guter Ergebnisse der Tochter Ergo stand unter dem Strich ein Überschuss von rund 2,3 Milliarden Euro, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch mit. Das war gut sechs Mal so viel wie im Katastrophenjahr 2017, als eine Hurrikan-Serie in den USA und zwei Erdbeben in Mexiko den Gewinn der Münchner weitgehend zerfleddert hatten.

Die Dividende soll nun von 8,60 auf 9,25 Euro steigen. Experten hatten im Schnitt einen geringeren Aufschlag erwartet. Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten zunächst positiv aufgenommen. Am Vormittag gewann die Aktie von Munich Re rund 0,6 Prozent auf 199,20 Euro hinzu. Das Tageshoch hatte bei rund 201,50 Euro gelegen, was dem höchsten Stand seit April 2015 entspricht.

Mit dem Ergebnis von 2018 traf die Munich Re die Mitte der vom Vorstand ausgegebenen Zielspanne, schnitt aber besser ab als von Analysten erwartet. Dies lag auch an der Erstversicherungstochter Ergo. Das langjährige Sorgenkind verdiente 412 Millionen Euro - anderthalb mal so viel wie im Vorjahr und gut 100 Millionen mehr, als der Vorstand für den besten Fall angekündigt hatte.

Milliardenbelastung durch Naturkatastrophen

Im Rückversicherungsgeschäft schlugen bei den Münchnern auch 2018 Naturkatastrophen schwer zu Buche. Mit 1,26 Milliarden Euro fiel die Belastung aber nur etwa ein Drittel so hoch aus wie 2017 - dem schwersten Naturkatastrophenjahr in der Geschichte der Versicherungsbranche. Diesmal kosteten Taifun "Jebi" in Japan und die beiden Waldbrände in Kalifornien im November die Munich Re zusammen rund 870 Millionen Euro.


Wenning will mehr Rendite: Munich Re erhöht die Risiken


Derweil musste der Rückversicherer für von Menschen verursachte Großschäden wie den Zwischenfall bei einem Staudamm-Projekt in Kolumbien tiefer die Tasche greifen als im Vorjahr. In der Summe fielen die Großschäden bei der Munich Re mit 2,15 Milliarden Euro halb so hoch aus wie 2017.

Im Gesamtjahr reichten die Prämieneinnahmen im Schaden- und Unfallgeschäft wieder aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote lag mit 99,4 Prozent unter der kritischen 100-Prozent-Marke, die sie ein Jahr zuvor mit 114,1 Prozent gerissen hatte. Die Prämieneinnahmen blieben konzernweit mit 49,1 Milliarden Euro praktisch stabil.

Vertragserneuerung: Preise blieben stabil

Trotz der erneut hohen Katastrophenschäden konnte die Munich Re bei der Vertragserneuerung mit Erstversicherern wie Allianz und Axa zum Jahreswechsel insgesamt nicht an der Preisschraube drehen. Die Preise seien im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben, gab das Unternehmen bekannt. Erst für die weiteren Erneuerungsrunden in diesem Jahr erwarten die Münchner ein verbessertes Marktumfeld.

Die kleinere Rivalin Hannover Rück hatte hingegen auch bei der jüngsten Erneuerung von leicht verbesserten Preisen berichtet. Die Neuverhandlung zum Jahreswechsel ist die wichtigste in der Branche.

Trotz der stabilen Preise baute die Munich Re ihr Geschäftsvolumen zum 1. Januar von 9,4 auf 10 Milliarden Euro aus. Den Rückversicherern macht seit Jahren die Kapitalschwemme in der Branche zu schaffen - ein Luxusproblem. Die Kapitalpolster der Unternehmen sind über Jahre hinweg immer weiter gewachsen. Zudem schossen Pensions- und Hedgefonds etwa über Katastrophenanleihen immer mehr Geld in den Markt.

Weil die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz mit dem wachsenden Angebot nicht mithält, ist der Preiskampf seit Jahren ungebrochen. Selbst nach den schweren Katastrophenschäden von 2017 war das Kapital in dem Geschäft nicht etwa gesunken, sondern gewachsen.

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