07.11.2019 
Airline bestätigt Gewinnziel, Aktie legt kräftig zu

Lufthansa-Aktionäre checken wieder ein

Die Lufthansa will trotz des Flugbegleiter-Streiks und des Preiskampfes im Europaverkehr keine weiteren Abstriche bei ihrem Gewinnziel machen. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) soll in diesem Jahr wie geplant 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro erreichen, teilte der Dax-Konzern am Donnerstag in Frankfurt mit. Gegenüber dem Vorjahr wäre das ein Rückgang um 14 bis 28,5 Prozent. Anleger hatten eine weitere Senkung des Gewinnziels befürchtet und reagierten jetzt erleichtert: Die Aktie der Lufthansa , die in den vergangenen Monaten deutlich nachgegeben habe, legte am Donnerstag im frühen Handel um mehr als 8 Prozent zu.

Vorstandschef Carsten Spohr hatte sein Gewinnziel bereits Ende Juni gekappt. Nachdem die zuletzt gebeutelte Billigtochter Eurowings erste Fortschritte machte, kündigte das Management nun weitere Sparprogramme für die Töchter Austrian, Brussels Airlines und Lufthansa Cargo an. Austrian Airlines soll zusätzlich zu einem schon laufenden Effizienzprogramm 90 Millionen Euro einsparen.

Aktie startet Erholung nach Kurseinbruch - 200-Tage-Linie im Blick

Mit dem Kurssprung um 8 Prozent hat die Aktie der Lufthansa wieder den höchsten Stand seit Mitte Juni erreicht. Zugleich gelang es den Papieren, die exponentielle 200-Tage-Linie bei aktuell knapp unter 17 Euro zu durchbrechen, die charttechnisch interessierten Anleger den längerfristigen Trend signalisiert.

Vor rund 5 Monaten hatte die Lufthansa ihre Gewinnprognose für 2019 wegen des aggressiven Wettbewerbs im Billigflugsegment eingedampft. Die Aktie, die sich seit Jahresbeginn bereits mehr auf Tal- als auf Bergfahrt befand, war daraufhin hart abgestraft worden und bis August auf ein Zwischentief bei 12,58 Euro gesackt. Seither geht es wieder vorsichtig aufwärts.

Unter den 30 Dax-Werten ist die Lufthansa-Aktie aber bis dato weiterhin das Schlusslicht mit einem bisherigen Kursverlust von knapp 11 Prozent.

Zudem hoben die Experten des irischen Analysehauses Davy Research hervor, dass die Lufthansa ihre Stückkosten im dritten Quartal verringert habe, da für die Netzwerk-Airlines der Unternehmensgruppe die Vorteile einer beträchtlich verbesserten Stabilität in der Flugaktivität und deutlich langsamer wachsende Instandhaltungskosten spürbar geworden seien.

Sommerquartal verlief bereits etwas besser als befürchtet

Im wichtigen Sommerquartal schnitt die Lufthansa trotz eines Gewinnrückgangs im Tagesgeschäft insgesamt besser ab als von Analysten erwartet. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 2 Prozent auf knapp 10,2 Milliarden Euro. Der operative Gewinn ging hingegen um 8 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro zurück. Höhere Kosten für Treibstoff und der Preiskampf in Europa hätten belastet. Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 1,15 Milliarden Euro sogar 4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, da sich Geschäfte zur Preisabsicherung positiv auf das Ergebnis auswirkten.

Die Lufthansa plant aber dennoch stärker auf die Kostenbremse zu treten und verordnete den Töchtern Austrian und Brussels Airlines sowie der Frachtsparte Cargo Sparprogramme. Der Konzern müsse bei den Töchtern in Österreich und Belgien sowie bei Lufthansa Cargo entschieden gegensteuern, um die Ergebnisse zu verbessern, kündigte Spohr an. Austrian Airlines (AUA) soll zusätzlich zu einem schon laufenden Effizienzprogramm bis 2021 jährlich 90 Millionen Euro einsparen. Zu einem damit verbundenem Personalabbau, der sich einem Insider zufolge auf rund 500 Stellen belaufen soll, machte der Konzern zunächst keine Angaben.

Flugbegleiter streiken - 180.000 Passagiere betroffen

Wie angekündigt hat um Mitternacht ein 48-Stunden-Streik der Flugbegleiter begonnen. Der Konzern strich für Donnerstag bei seiner Hauptmarke Lufthansa rund 700 der weltweit 1100 geplanten Flüge, so dass an den Drehkreuzen München und Frankfurt viele Maschinen am Boden bleiben und auch ein Großteil der lukrativen Überseeflüge ausfallen müssen.

Zusammen mit 600 geplanten Stornierungen am Freitag sind der Airline zufolge rund 180.000 Passagiere betroffen. Auch Zubringerflüge von den kleineren deutschen Flughäfen fallen aus. Den Kunden wurden Umbuchungen auf andere Gesellschaften und Tage sowie im innerdeutschen Verkehr auf die Bahn angeboten.

Die Lufthansa war am Mittwoch in zwei Gerichtsinstanzen mit dem Versuch gescheitert, den Streik noch mit juristischen Mitteln zu stoppen. Sowohl das Arbeitsgericht Frankfurt als auch das hessische Landesarbeitsgericht lehnten eine Einstweilige Verfügung gegen den Streik ab.

Nach Einschätzung der Richter sind die Tarifverträge korrekt gekündigt worden; der Streikbeschluss ist gültig. Angriffe der Lufthansa-Anwälte gegen die kurzfristig geänderte Arbeitskampfordnung der Gewerkschaft lehnten sie ebenfalls ab. Hier handele es sich um interne Regelungen der Ufo ohne Außenwirkung.

Ufo will Streik eventuell auf Töchter ausweiten

Die Gewerkschaft Ufo hat eine Ausweitung des Arbeitskampfes auf bis zu vier weitere Flugbetriebe mit deutschem Tarifrecht angekündigt. Davon könnten vor allem Eurowings-Flüge betroffen sein. Einzelheiten will Ufo am Donnerstag nennen. Ein Gespräch auf Einladung von Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit anderen im Konzern aktiven Gewerkschaften schlug die Ufo-Vorsitzende Sylvia de la Cruz aus. Unter anderem habe sich das Unternehmen in die Frage einmischen wollen, wer von Seiten der Ufo an dem Gespräch teilnehmen sollte.

Ufo fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Für die vier anderen Flugbetriebe wurden jeweils separate Forderungen aufgestellt und Urabstimmungen abgehalten. In dem gesamten Konflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann.


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In einem ersten Warnstreik bei den vier Tochter-Flugbetrieben hatte Ufo am 20. Oktober dieses Jahres mehr als 100 Flüge ausfallen lassen. Damals hatte der Lufthansa-Konzern keinen Ersatzflugplan erstellt. Der letzte reguläre Ufo-Streik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft datiert aus dem Jahr 2015 und war mit einer Woche Dauer der längste in der Unternehmensgeschichte.

mg/dpa-afx,rtr

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