18.09.2018 
Ticketpreise

Kartellamt lässt Lufthansa nicht vom Haken

Das Bundeskartellamt hält wegen der kräftig erhöhten Ticketpreise nach der Pleite von Air Berlin weiterhin ein Auge auf die Lufthansa. Die Behörde beobachte die größte deutsche Fluggesellschaft auch jetzt noch auf solchen Strecken, auf denen die Airline weiterhin als Monopolist agiere, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Dienstag in Köln. "Wir sagen nicht, dass auf dem deutschen Flugmarkt alles gut ist, und wir wissen, dass die Lufthansa noch auch manchen Strecken als Monopolist fliegt", sagte Mundt.

Im Mai hatten die Wettbewerbshüter entschieden, kein Verfahren gegen die Lufthansa einzuleiten - obwohl sie die Preise auf innerdeutschen Flügen nach dem Aus für Air Berlin deutlich erhöht hatte. Im Schnitt hatten die Tickets im Herbst 2017 etwa 25 bis 30 Prozent mehr gekostet als ein Jahr zuvor, hatte das Kartellamt in seiner Analyse herausgefunden.

Die Bonner Wettbewerbshüter sahen aber keinen Anlass, ein Verfahren wegen des Missbrauchs des kurzfristigen Monopols einzuleiten. Das Aus für Air Berlin hätte auch bei einer intakten Konkurrenzsituation zu steigenden Preisen geführt, hieß es.

Kartellwächter weist Algorithmen-Argument erneut zurück

Die Verteidigungslinie der Lufthansa, sie habe die Algorithmen zur Festsetzung der Ticketpreise im Zuge der Air-Berlin-Pleite nicht verändert, wies Mundt als Entschuldigung erneut zurück. Es sei unerheblich, ob ein Algorithmus wettbewerbsfeindlich sei oder ob sich ein Mitarbeiter der Airline wettbewerbsfeindlich verhalte.

Allerdings verwies der Kartellamtschef erneut darauf, dass mit Easyjet ein neuer Wettbewerber in den Markt eingetreten sei und die Ticketpreise dadurch auf vielen Strecken wieder gefallen seien. Der britische Billigflieger hatte Geschäftsteile der insolventen Air Berlin übernommen.

rei/dpa

Mehr zum Thema