25.05.2020 
Rettung durch Staatseinstieg

Bremsklotz für die Lufthansa

Ein Kommentar von

Der Airline-Konzern ist so gut wie gerettet - und womöglich doch geliefert.

Pünktlich zum Himmelfahrtstag - den Kalauer kann man nicht auslassen - muss sich der größte Airline-Konzern Europas auf ein Himmelfahrtskommando einstellen: der Staat mischt künftig als Anteilseigner kräftig mit. Zwar besitzt er wohl nicht von vorneherein eine Sperrminorität. Dennoch baut er eine gefährliche Machtposition auf.

Damit ist die lange verhandelte Rettung der Lufthansa durch staatlichen Beistand in ein Desaster umgeschlagen. Das Unternehmen verliert voraussichtlich genau die Freiheit, die es so dringend braucht. Es mag Nebenabsprachen geben und viele heilige Schwüre, dass der Staat als Großaktionär dem Management nicht ins Handwerk pfuschen will. Doch die sind wenig wert.

Der Staat ist zum Zugucken in einem Unternehmen, das ihm ganz oder teilweise gehört, ebenso geeignet, wie ein hungriger Hund als Wächter einer Kette Würstchen. Es ist kein Unken sondern fundierte Prognose, zu erwarten, dass die Staatsbeteiligung den Lufthansa-Vorstand massiv behindern wird, in nächster Zeit das Notwendige zu tun.

Die Corona-Krise bedeutet für die Luftfahrt nicht nur einen vorübergehenden Schock. Sie hat bleibende Folgen. Erst für 2023 rechnet Lufthansa-Chef Carsten Spohr wieder mit leidlich normalen Geschäften, und die meisten Auguren geben ihm Recht. Auch danach könnte das Wachstum deutlich geringer ausfallen als ehedem vermutet. Alle Airlines müssen sich daher auf karge Zeiten mit kleineren Flotten und naturgemäß kleinerer Belegschaft einstellen. Alles andere würde die Not verstetigen und womöglich auf ein Niveau heben, für das es keine Rettung mehr gibt.


Lesen Sie auch: Konzept für Lufthansa-Rettung steht


Nun aber droht der berüchtigte Doppelpass. Einzelne Beschäftigtengruppen skandieren und die Politik fühlt sich leider, leider doch genötigt, einzuschreiten - zumal man doch Miteigner ist. Ähnliches könnte passieren, wenn bestimmte Strecken nicht wieder aufgenommen werden, weil sie sich nicht lohnen, einflussreiche Politiker die Route aber für unverzichtbar halten.

Was staatliches Gutdünken aus einer Airline macht, zeigt abschreckend Air France. Der französische Staat - er besitzt gut 14 Prozent der Aktien - regiert seit Jahren hinein, mit dem Ergebnis, dass Air France im Wettbewerb zurückfällt und am Ende doch Stellen und Strecken streichen musste. Die Lufthansa hat derweil eingestellt, seit 2012 mehr als jede andere Airline in Europa.


Lesen Sie auch: Krisenwährung: Die Supergrube - worauf es bei Gold-Investments ankommt


Die Verhandlungen um Corona-Hilfen sind im Fall der Lufthansa augenscheinlich vom Ziel abgekommen. Es ging darum - wie bei anderen Unternehmen auch - den unverschuldeten externen Schock abzufedern und den Fortbestand der Firma mit möglichst vielen Arbeitsplätzen zu sichern. Nun wollen Politiker offenbar Unternehmer spielen und Machtgelüste ausleben. Gerade das schadet dem Gemeinwohl. Eine geschwächte Lufthansa bringt dem Standort Deutschland weniger als zuvor. Und der Staat wird analog zur Commerzbank zusehen können, wie sein schöner Anteil immer weniger wert wird.

Womöglich streiken ja auch die Altaktionäre in der wahrscheinlich nötigen außerordentlichen Hauptversammlung. Dann geht das Bibbern und Feilschen um die Lufthansa von vorne los.

Mehr zum Thema