11.07.2019 
Gewinnwarnungen der Maschinenbauer

Krones und Aumann - deutsche Maschinenbauer in Not

Die Serie der Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen setzt sich fort: Nicht nur der deutsche Chemieriese BASF leidet unter der mauen globalen Nachfrage. Auch im deutschen Maschinenbau, einer der Vorzeigebranchen der Exportnation Deutschland, bekommen Unternehmen die global schwächere Nachfrage schmerzhaft zu spüren. Mit den Maschinenbauern Krones und Aumann reihen sich zwei weitere Unternehmen in diese Serie ein.

Der Abfüll- und Verpackungsanlagenhersteller Krones kappt wegen einer überraschend schlechten Gewinnentwicklung im ersten Halbjahr seine Erwartungen an 2019. An der Börse rutsche die Aktie von Krones am frühen Morgen auf den tiefsten Stand seit gut sechs Jahren - zuletzt stand noch ein Minus von über 17 Prozent auf der Kurstafel.

Zwar sei am Markt bereits eine leichte Kürzung der Prognose erwartet worden, doch nicht in diesem Umfang, sagte ein Händler am frühen Morgen. Damit reiht sich Krones in die Liste der Unternehmen ein, die ihre Ergebniserwartungen zurückgenommen haben. Erst kürzlich hatte der Chemiekonzern BASF die Märkte mit einer Gewinnwarnung schockiert und die Sorgen um die sich abschwächende Konjunktur weiter befeuert. Am Vorabend hatte zudem Maschinenbauer Aumann die Prognose gekappt.

Krones seit 2018 mit Problemen - Zukunft der Plastikflasche unsicher

Bei Krones ist bereits seit längerem der Wurm drin: Nach einem starken Jahr 2017, in dem das Unternehmen auch von Zukäufen profitierte, begann der Motor zu stottern. Auch im vergangenen Jahr musste der Konzern seine Prognose eindampfen. Auch die Mittelfristziele wurden bereits nach hinten verschoben und Bandbreiten bei den Prognosen eingeführt.

Krones macht hier vor allem die wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten verantwortlich. Der US-chinesische Handelsstreit etwa, das Thema Brexit und die Diskussion um die Zukunft der Kunststoffflasche verunsicherten Kunden und Lieferanten, sagte ein Sprecher.

Das alles hat entsprechende Wirkung auf den Aktienkurs: Vom im Juni 2018 erreichten Hoch bei knapp 123 Euro hat die Krones-Aktie inklusive der aktuellen Verluste mehr als die Hälfte an Wert eingebüßt. Im vergangenen Jahr musste das Papier vom Mittelwerteindex MDax denn auch in den Index der kleineren Werte SDax absteigen.

Krones stellt nun für das Gesamtjahr nur noch eine Vorsteuermarge von drei Prozent in Aussicht - und damit die Hälfte des bisher Erwarteten. Beim Umsatz rechnet das Unternehmen aber weiterhin mit einem Plus von drei Prozent. "Während das Umsatzwachstum von Krones im ersten Halbjahr 2019 zufriedenstellend war, wird das Ergebnis vor Steuern (EBT) für diesen Zeitraum deutlich unter den Erwartungen von Krones liegen", hieß es in der Mitteilung weiter.

Hohe Materialkosten - neue Lieferketten in China und Ungarn

Der Anlagenbauer ächzt vor allem unter hohen Materialkosten und hat bereits zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um diese zu senken. So wurden etwa Lieferketten in China und Ungarn aufgebaut. Doch die eingeleiteten Schritte wirken nach Unternehmensangaben nur mit Verzögerung. Auch die bislang getroffenen Entscheidungen wie zum Beispiel Preiserhöhungen reichten aktuell nicht aus, um die angestrebten Ergebnisziele nachhaltig zu erreichen. Zudem erwies sich die Hoffnung als irrig, dass die schwächere Konjunktur in wichtigen anderen Industrien 2019 zu einer leichten Entspannung beim Anstieg der Materialkosten führen könnte.

Krones macht für seine Probleme auch den Produktmix verantwortlich, der sich ungünstig auf das Ergebnis für Januar bis Juni 2019 ausgewirkt habe. Besonders im zweiten Quartal 2019 sei der Umsatz von Produkten mit hoher eigener Wertschöpfung, wie beispielsweise Maschinen und Anlagen der Kunststofftechnik, niedriger als erwartet gewesen. Die ausführlichen Zahlen für das zweite Halbjahr will Krones am 25. Juli vorlegen.

Auch Autozulieferer Aumann senkt Prognose, Aktie bricht ein

Auch der Maschinenbauer Aumann musste inzwischen seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr senken. Der SDax-Konzern leidet unter dem rückläufigen Fahrzeugabsatz und der Verunsicherung in der Autoindustrie. Die Aktie brach am Donnerstag zum Handelsstart 17 Prozent ein.

Beim Umsatz rechnet Aumann jetzt nur noch mit 240 bis 260 Millionen Euro, wie das Unternehmen im nordrhein-westfälischen Beelen mitteilte. Bislang hatte das Unternehmen vor, auf die 290,8 Millionen Euro des Vorjahres noch eine Schippe draufzulegen. Auch beim bereinigten operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) musste der Maschinenbauer zur großen Ernüchterung der Investoren zurückrudern. Es soll bestenfalls bei 22 Millionen Euro liegen. "Abhängig von der weiteren Marktentwicklung" könnten es aber auch nur 16 Millionen Euro werden. Ursprünglich hatten die Beelener angepeilt, die 2018 erwirtschafteten 29,3 Millionen Euro zu übertreffen.

Die Investitionszurückhaltung und Kostendisziplin bei Herstellern und Zulieferern hätte sich im bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 2019 negativ bemerkbar gemacht, hieß es. Wiederholte Verschiebungen von Auftragsvergaben mit signifikantem Volumen hätten zu einem enttäuschenden Auftragseingang von 85 Millionen Euro im ersten Halbjahr geführt. Aumann geht davon aus, dass die negativen Einflussfaktoren auch über das laufende Geschäftsjahr hinaus fortbestehen werden. Aumann fertigt unter anderem Maschinen und automatisierte Produktionslinien unter anderem für die Autoindustrie sowie Produkte für die Herstellung von Elektromotoren.

la/dpa-afx

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