07.05.2020 
Corona-Krise bremst Investitionen in Klimaschutz

Kurze Erholung fürs Klima - und dann wird es brenzlig

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Der klare Himmel zeigt es an. Flugzeuge sind am Boden, Industrieschlote geben kaum noch Dampf ab, die meisten Kohlekraftwerke sind abgeschaltet. Für das Klima scheint die Corona-Krise eine erfreuliche Nebenwirkung zu bringen.

Allein die westeuropäischen Stromproduzenten haben laut Unicredit bis April, aufs Jahr gesehen, fast 40 Millionen Tonnen CO2 gespart. Weltweit dürften die Emissionen des klimaschädlichen Gases in diesem Jahr laut Internationaler Energieagentur (IEA) um 8 Prozent oder 2,6 Gigatonnen sinken, deutlich stärker als in allen bisherigen Kriegen und Krisen. Sogar das schon fast aufgegebene deutsche Klimaschutzziel für 2020 ist wieder in Sicht.

"Da gibt es nichts zu feiern", warnt jedoch IEA-Chef Fatih Birol. So drastisch der Rückgang der Emissionen auch ausfalle, werde er "höchstwahrscheinlich nur ein kurzfristiger Ausrutscher" sein, dem ohne zusätzliche staatliche Eingriffe ein umso größerer Anstieg der Emissionen folgen könnte, sobald die Wirtschaft wieder wächst. "Billigere Energie verführt Verbraucher immer dazu, sie weniger effizient zu nutzen."

Schon das billige Öl mache den Kauf sparsamer Autos oder die Dämmung von Gebäuden weniger wirtschaftlich. Während sich die Ölpreise von ihrem tiefsten Sturz etwas erholen, fallen andere fossile Brennstoffe weiter auf Ramschkurs. Steinkohle ist für weniger als 40 Dollar pro Tonne zu haben, Erdgas am deutschen Gaspool Hub für keine 6 Euro pro Megawattstunde. Aktuell ist der positive Effekt dieses Wettlaufs zum Boden, dass die vergleichsweise weniger schmutzigen Gaskraftwerke die kohlebetriebene Konkurrenz aus dem Markt priesen. Doch selbst das könnte bald kippen.

Denn auch der Preis für CO2-Zertifikate, der in Europa Marktkräfte für den Klimaschutz mobilisieren soll, schwächelt erneut. Dieser Emissionshandel "rutscht wieder in die fast völlige Wirkungslosigkeit", ätzt Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group und einst als Grünen-Abgeordneter einer der Konstrukteure der Energiewende. Auch die ab 2021 geplante CO2-Steuer auf Benzin und Heizöl werde "überhaupt keine Klimaschutzwirkung entfalten" - der vorgesehene Preisaufschlag werde um ein Vielfaches vom coronabedingten Preisverfall übertroffen.

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