24.06.2015 
Chef des Putzportals Helpling

"Ich schließe Festanstellungen nicht aus"

Von Astrid Maier und

3. Teil: "Operativ arbeiten wir bereits profitabel"

Franke: Die Putzkräfte können frei über jeden Auftrag entscheiden. Wenn sich die Anfahrt nicht rechnet, kann der Auftrag abgelehnt werden. Wir stehen außerdem in ständigem Austausch. Wenn künftig die Mehrheit unserer Dienstleister die Preise erhöhen will, kann es durchaus möglich sein, dass wir das tun. Wir profitieren ja von einem höheren Umsatz.

mm.de: In den USA ist die Entwicklung in Richtung On-Demand-Economy bereits viel weiter fortgeschritten. Fahrer für die Chauffeur-App Uber und für den Konkurrenten Lyft fordern vor Gericht schon den Status von Festangestellten ein. Erst kürzlich forderte die California Labour Commission Uber auf, Fahrern Verträge wie Festangestellten zu gewähren. Fürchten Sie, dass es in Deutschland zu einer ähnlichen Entwicklung kommen könnte?

Franke: Bei uns gibt es keine Uniformen, keine Weisungen. Es ist völlig klar, dass "Helplinge" Selbstständige sind.

mm.de: Einige amerikanische Start-ups sind bereits dazu übergegangen, ihre Dienstleister fest anzustellen, da sie merkten, dass sich so die Qualität der Arbeit verbessert. Können Sie sich das für die Zukunft auch vorstellen?

Franke: Ich möchte das nicht ausschließen. Wir professionalisieren einen Markt, der derzeit größtenteils von Schwarzarbeit geprägt ist. Unser Ziel ist es, unser Angebot stetig zu verbessern.

mm.de: Über die Helpling-Plattform könnten Sie prinzipiell auch andere Dienstleister vermitteln, Handwerker oder Gartenpfleger zum Beispiel. Planen Sie Ihr Angebot zu erweitern?

Franke: Wir wollen im Bereich haushaltsnahe Dienstleistungen das führende Unternehmen werden. Darüber hinaus gibt es natürlich viele weitere attraktive Märkte, aber konkrete Planungen gibt es derzeit nicht.

mm.de: On-Demand-Plattformen verbrennen derzeit vor allem Geld. Ihr US-Konkurrent Homejoy soll pro Auftrag 12 Dollar Verlust einfahren. Wird Helpling jemals profitabel arbeiten können?

Franke: Unser Geschäft hängt ganz davon ab, ob es uns gelingt, langfristige Kundenbeziehung aufzubauen. Darauf konzentrieren wir uns derzeit, versuchen aus ganzer Kraft das Kundenerlebnis zu optimieren. Operativ arbeiten wir bereits profitabel.

mm.de: Helpling hat in nur einem Jahr 56 Millionen Euro Wagniskapital eingesammelt. Wann brauchen Sie die nächste Finanzspritze?

Franke: Wir wollen unser Geschäft möglichst effizient vorantreiben. Da wir sehr ambitionierte Pläne haben, sind wir natürlich immer an neuen Finanzierungsmöglichkeiten interessiert. Allein in Deutschland wollen wir in diesem Jahr zehn Millionen Euro investieren. Uns geht es um eine nachhaltige Positionierung im Markt.

mm.de: Wird auch Ihre Wohnung von "Helplingen" geputzt?

Franke: Ja, natürlich. Der Algorithmus bevorzugt mich dabei übrigens nicht. Und ich habe einen Stamm-"Helpling" gefunden, mit dem ich sehr zufrieden bin. Es ist eine Frau aus Berlin. Ich hatte vorher nie Hilfe zu Hause und bin heilfroh, dass es jetzt so einfach möglich ist.

mm.de: Ihr "Helpling" weiß gar nicht, dass Sie der Boss sind?

Franke: Nein, das spielt auch keine Rolle.

Lesen Sie mehr über Helpling, Shopwings, Uber und Co. im neuen manager magazin: Kapitalismus auf Koks - Führt uns die On-Demand-Economy in einen digitalen Feudalismus?

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