13.05.2020 
Begehrter Atemmasken-Rohstoff Meltblown

Wo es beim Aufbau eines deutschen Maskenmarktes hakt

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Es ist einer der am heißesten begehrten Stoffe in der Krise - vor der Coronavirus-Pandemie hat ihn kaum jemand gekannt: Die Rede ist von Meltblown, einem synthetischen Gewebe, das für die Herstellung sogenannter FFP-Masken (kurz für Filtering-Face-Piece-Masken) benötigt wird. Die Preise dafür sind in den letzten Monaten geradezu explodiert, was Meltblown mittlerweile die Bezeichnung "goldenes Vlies" eingebracht hat.

Der europaweit größte Hersteller des Materials ist ein Familienunternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis, der 100-Mann-Betrieb Innovatec aus Troisdorf. manager magazin hat mit Inhaber Christian Klöber und Geschäftsführer Daniel Krumme darüber gesprochen, wie der Familienbetrieb mit dem Run auf den begehrten Rohstoff umgeht und wie es um den deutschen Maskenmarkt bestellt ist.

manager magazin: Herr Klöber, Herr Krumme, Sie sind Branchenexperten zufolge der größte Hersteller von Meltblown in Europa. Wie groß ist Ihr Marktanteil?

Krumme: Der liegt in Europa über 50 Prozent - aber Meltblown ist eine totale Nische.

Für wie viele Masken reicht das Material denn, das Sie aktuell herstellen?

Krumme: Für etwa 35 Millionen Masken pro Woche.

Das ist nicht viel.

Klöber: Das stimmt. Für uns war das Thema Masken vor Corona ein echtes Randthema, eine Total-Nische, auch weil es in Deutschland bis vor kurzem gar keine Maskenhersteller gab. Für uns war es aber wichtig, die CE-Zertifizierung für das Produkt zu behalten und das Know-How. Unter anderem dafür betreiben wir ja sogar ein eigenes Prüflabor.

Woran liegt es denn, dass hierzulande bisher keiner OP-Masken herstellt werden? Gebraucht werden sie ja.

Klöber: Ja, aber die Asiaten haben die Preise für die fertigen Masken so in den Keller gedrückt, dass es sich für deutsche Hersteller bis dato nicht gelohnt hat. Und für uns als Rohstofflieferant war der Markt dadurch ebenfalls völlig uninteressant. Das hat sich nicht gerechnet. Deshalb haben wir uns auf lukrativere Bereiche konzentriert wie die Herstellung von Blutfiltern, auf Material für Staubsaugerbeutel oder Substrate, die man beispielsweise braucht, um Desinfektionstücher herzustellen.

Wann haben Sie denn erste Anzeichen bemerkt, dass die Nachfrage nach Maskenmaterial anzieht?

Krumme: Eigentlich schon im Januar. Da haben wir sehr viele Anfragen aus China bekommen, was sehr ungewöhnlich ist für diesen Markt. Weil China seine Produkte eigentlich selbst herstellt und eher hierhin geliefert hat und nicht andersrum.

Und die Chinesen waren auch bereit, mehr zu zahlen?

Krumme: Ja, aber wir haben auch andere Geschäftsverpflichtungen - und wir konnten und werden nicht einfach anderen Kunden absagen, um dann unbegrenzte Mengen nach China zu liefern. Das geht nicht, und das wollen wir auch nicht.

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