13.01.2020 
Gautam Adani

Dieser Milliardär setzt voll auf Kohle - und zieht Siemens mit

Von
REUTERS

Kleinlaut bekennt sich Siemens trotz des Proteststurms von Klimaschützern zu einem australischen Kohleprojekt: Man müsse sich leider an Verträge halten. Kämpferisch hingegen klingt die Reaktion des Auftraggebers Adani. "Wir lassen uns nicht einschüchtern oder davon abhalten, unsere Versprechen einzulösen", erklärte eine Sprecherin des indischen Konzerns am Montag.

Seinen Namen kann Gründer Gautam Adani (57) nun auf Protestplakaten von Australien bis Deutschland lesen: #StopAdani.

Für Siemens ist der auf 31 Millionen australische Dollar (19 Millionen Euro) bezifferte Auftrag, den 200 Kilometer langen Bahnanschluss des geplanten Kohlebergwerks Carmichael im Nordosten Australiens mit Signaltechnik auszustatten, kommerziell kaum der Rede wert - fürs Image natürlich sehr wohl.

Siemens-Kritikerin Luisa Neubauer hatte argumentiert, dass Siemens den Zuschlag im Dezember als einziger relevanter Bieter bekommen habe. Wettbewerber wie Alstom oder Hitachi hätten, ebenso wie die meisten internationalen Banken, zuvor schon eine Beteiligung an Adanis Kohleprojekt ausgeschlossen. Daher hätte Siemens mit einem Rückzug das ganze Vorhaben gefährden können, eines der letzten großen unangetasteten Kohlereviere der Welt zu erschließen.

Für Adani aber ist Carmichael weit mehr als irgendein Geschäft. Im vergangenen Jahr, als die Provinzregierung von Queensland nach neun Jahren Warten die Umweltlizenz für Carmichael erteilte, stieg Gautam Adani von Platz 10 auf Platz 2 der "Forbes"-Liste der reichsten Inder auf. Sein Vermögen wird nun auf mehr als 14 Milliarden Dollar geschätzt.

Einiges davon dürfte er einsetzen müssen, um seinen Kohle-Traum wahr zu machen. Denn die Finanzierung des Multi-Milliarden-Vorhabens ist, abseits eines Großkredits der indischen Staatsbank, äußerst ungewiss.

Schon wegen der Klimadebatte erscheint der Plan, ein neues Kohlerevier zu erschließen, "aus dem Jahrhundert gefallen", wie Luisa Neubauer kritisiert. Hinzu kommen noch eine Reihe weiterer widriger Faktoren. Indiens Kreditwirtschaft steckt in der Krise, der Kohlepreis ist mit aktuell 75 Dollar pro Tonne im Keller. Laut den Analysen von UBS und Wood Mackenzie bräuchte Carmichael, um profitabel zu produzieren, einen Preis von mindestens 100 bis 110 Dollar. Von dort wird auch noch Kohle eher minderer Qualität erwartet.

Das alles aber ficht Gautam Adani nicht an. "Wenn es nicht rentabel wäre, würden wir es nicht machen", sagte er im vergangenen Jahr vor indischen Journalisten. Und: "Indien hat keine Wahl." Ohne Kohle, behauptet Adani, wäre der wachsende Energiebedarf nicht zu decken. Nebenher investiert er zwar auch in gewaltige Solaranlagen, sein Imperium als größter privater Stromproduzent Indiens aber hat er vor allem auf Kohle gegründet.

Dem Unternehmer, der schon in allerlei Skandale und Prozesse verwickelt war, hilft eine große Nähe zur politischen Führung um Premierminister Narendra Modi, der wie Adani aus dem westindischen Bundesstaat Gujarat stammt und Adanis Aufstieg begleitete.

Immer wieder schafft Adani es, Strafen zu vermeiden und sich Ausnahmen genehmigen zu lassen - beispielsweise um steuerfreie Sonderwirtschaftszonen um seine Werke zu errichten, die regulierten Stromtarife anzuheben, oder aktuell, um wegen des indischen Smogs geforderte Filter Jahre später in seine Kraftwerke einbauen zu müssen. Ein im Bau befindliches Kraftwerk nahe der Grenze zu Bangladesh, das ausschließlich für den Stromexport in das arme Nachbarland gedacht ist, soll Kohle zollfrei einkaufen dürfen - unter anderem aus Australien. So könnte sich Carmichael für Adani tatsächlich lohnen.

Am Anfang stand 1995 die Lizenz zum Bau des ersten privaten Güterhafens in Indien: Mundra, wo auch Adanis größtes Kohlekraftwerk mit neun Blöcken steht. Ebendort hat Adani im vergangenen Jahr noch einen weiteren namhaften deutschen Konzern als Partner gewonnen: BASF will dort Milliarden in eine neue Chemieanlage investieren. Die aber soll dem Vernehmen nach mit erneuerbaren Energien betrieben werden - als erstes klimaneutrales Werk von BASF weltweit.

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