11.07.2019 
Fresenius Medical Care mit Kurssprung

US-Regierung fördert Dialyse daheim, FMC sieht sich gewappnet

Die US-Regierung will die jährlichen Kosten von 114 Milliarden Dollar zur Behandlung Nierenkranker senken und strebt einen verstärkten Einsatz von Heimdialyse in den Wohnungen der Patienten an. Zudem soll die Zahl der Transplantationen deutlich erhöht und die Abrechnung mit den Krankenversicherungen reformiert werden.

In den USA litten im vergangenen Jahr fast 15 Prozent der Erwachsenen angesichts steigender Raten bei Diabetes und Bluthochdruck unter einer chronischen Nierenerkrankung.

Der US-Dialysemarkt wird neben dem heimischen Anbieter DaVita sowie von Fresenius Medical Care (FMC), einer Tochter des deutschen Gesundheitskonzerns Fresenius , dominiert. Sie betreiben in den USA zusammen mehr als 5000 Dialysezentren und kommen damit auf einen Marktanteil von über 70 Prozent.

Trotz der Sparpläne der US-Regierung legten FMC-Aktien am Donnerstag deutlich zu und waren mit einem Plus von 3 Prozent größter Gewinner im Dax. Sie hatten im Frühjahr deutlich verloren, nachdem erste Details der Pläne bekannt wurden. Analystin Ana Gupte von Leerink erklärte, dass die Kursverluste wahrscheinlich übertrieben gewesen seien. Noch sei etwa unklar, welche Anreize es für eine Umstellung auf die Heim-Dialyse gebe.

FMC sieht in Plänen der Regierung eine Bestätigung der Firmen-Strategie

FMC teilte mit, dass Unternehmen sehe in den Plänen der US-Regierung eine Bestätigung seiner Strategie: FMC arbeite bereits seit geraumer Zeit an verschiedenen Initiativen zur Förderung der Heimdialyse, zur Verbesserung des Zugangs zu Transplantationen sowie neuen Versorgungsmodellen bei chronisch Nierenkranken.

Zum Ausbau des Geschäfts mit der Blutwäsche in den eigenen vier Wänden hatte der Konzern erst kürzlich die US-Firma NxStage für rund zwei Milliarden Dolar übernommen. Analyst Tom Jones von der Berenberg Bank geht davon aus, dass FMC daher letzten Endes von den Plänen der US-Regierung profitieren dürfte.

Analyst Jones sprach von lobenswerten wenn auch möglicherweise nicht erreichbaren Zielen. Es sei aber ein Wendepunkt in der US-Dialysebehandlung. Bislang erhalten nur zwölf Prozent der von einer Nierenerkrankung betroffenen Amerikaner eine Blutwäsche in den eigenen vier Wänden. Das wird zum Teil auch durch das Vergütungssystem angetrieben, das Ärzten mehr zahlt, wenn sie teurere Dialysezentren nutzen.

la/reuters