15.05.2019 
Kritik auf der Hauptversammlung

Post-Chef verteidigt Portoplus von mehr als 10 Prozent

Die Deutsche Post rechnet aufgrund der für den 1. Juli geplanten Portoerhöhung mit einem leichten Rückgang des Briefaufkommens. Erfahrungsgemäß würden einige Kunden auf die Preisanhebung reagieren und auf Sendungen verzichten, sagte Post-Chef Frank Appel auf der Hauptversammlung des Logistikriesen in Bonn. "Aber aus der Historie wissen wir, dass das relativ überschaubar ist." Der ohnehin aufgrund des Siegeszuges der E-Mail und Textnachrichten zu erwartende jährliche Rückgang des Briefvolumens um zwei bis drei Prozent werde sich dadurch nicht nennenswert beschleunigen, prognostizierte der Manager.

Ein Aktionärsvertreter hatte zuvor gewarnt, die Post beschreite mit der Portoerhöhung einen nicht unproblematischen Weg und laufe Gefahr, Kunden zu vergraulen.

Appel verteidigte jedoch die geplante Portoerhöhung. Angesichts sinkender Briefzahlen und steigender Löhne für die Zusteller seien Preisanhebungen im Briefbereich unvermeidlich. Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland gebe gerade einmal 2,34 Euro im Monat für Briefporto aus. Die geplante Anhebung der Preise zum 1. Juli um durchschnittlich 10,6 Prozent bedeute für den Durchschnittshaushalt also lediglich eine Mehrbelastung von 24 Cent im Monat. "Ich glaube, das ist vertretbar", sagte der Manager.

Die Bundesnetzagentur wird voraussichtlich noch in diesem Monat endgültig grünes Licht für die Portoerhöhung geben. Erst danach werde die Post endgültig entscheiden, bei welchen Produkten - vom Kompakt- bis zum Maxibrief - die Preise geändert würden, sagte der Post-Chef.

Post-Chef gesteht Qualitätsprobleme ein

Die Bundesnetzagentur legt in ihrer Regulierungsentscheidung allerdings lediglich fest, um wie viel sich die Gesamtmenge aller Einzelsendungen der verschiedenen Briefarten verteuern darf. Die Post selbst entscheidet dann wie sie diesen Preiserhöhungsspielraum nutzt.

Die Portoerhöhung bei Standardbriefen könnte also durchaus höher ausfallen als 10,6 Prozent, wenn dafür die Preisanhebung bei anderen Briefarten entsprechend geringer ausfiele. Branchenkreisen zufolge ist eine Anhebung des Portos für einen Standardbrief von aktuell 70 Cent auf bis zu 90 Cent möglich. Dann würde sich das Porto für die anderen Briefarten gar nicht oder kaum verteuern.

Im Brief- und Paketbereich sieht sich die Post derzeit mit gegenläufigen Entwicklungen konfrontiert. Die Zahl von normalen Briefen und Werbesendungen ging im ersten Quartal im Jahresvergleich um 3,1 Prozent zurück. Dagegen zog die Zahl der Pakete wegen des Onlinehandels um 7,7 Prozent an. Der Umsatz im Paketgeschäft stieg dank der jüngsten Erhöhung der Paketpreise sogar um 9,5 Prozent.

Appel räumte gleichzeitig ein, dass es im vergangenen Jahr stellenweise Qualitätsprobleme im Bereich Post & Paket Deutschland gegeben habe. Die Zahl der Reklamationen sei gestiegen. Doch inzwischen habe die Post darauf reagiert und werde wieder besser. Dafür investiere die Post derzeit jährlich 150 Millionen Euro in Personal, Technik und Anlagen in diesem Bereich und werde allein 2019 mindestens 5000 neue feste Stellen bei Post & Paket schaffen.

cr/dpa-afx

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