04.02.2019 
Fünf Regeln für Kulturwandel und Mobilisierung

Mach neu, mach anders, mach besser!

Von Dominic Veken

6. Teil: Cellularity: Loslassen, um die Zukunft zu gewinnen!

Hat man Organisationen in der ausgehenden Industrialisierung eher als Verwaltungsmaschinen begriffen, in denen jeder Ablauf genauestens definiert und verwaltet wurde, sieht man sie heute immer mehr als hochkomplexe Ökosysteme. Willkommen im Zeitalter der biologischen Metaphern! Zellverbände kennen keine Hierarchie und neuronale Netze sind millionenfach leistungsfähiger als jede Dampfmaschine. Wir stehen derzeit an der Schwelle völlig neuer Unternehmenstypen, die weniger durch verwaltungstechnische Weisungswege als vielmehr durch neue Autonomieformen gekennzeichnet sind. Datenanalyse, technologische Koordinationsinstrumente und hocheffiziente Kommunikationsnetze machen eine viel schnellere, beweglichere und leistungsfähigere Organisation möglich, die durch eine unglaubliche Vielzahl autonomer Einheiten jedwede Form von klassischer Verwaltung radikal obsolet machen.

Amazon agiert schon lange über Two-Pizza-Teams. In der "Engineering Culture" von Spotify gibt es die sogenannten "Squads", die als kleine autonome Einheiten bestimmte Tasks erfüllen und koordiniert werden über Tribes und Guilds, ebenfalls autonome führungslose "Quergruppen", die für das erfolgskritische Alignment, für die Abstimmung des Ganzen sorgen. Und auch der chinesische Erfolgskonzern Haier hat seine über 70.000 Mitarbeitern in eine Struktur tausender Kleinunternehmen überführt.

"Cellularity", der Zellgrad von Organisationen ist insofern die Königsdisziplin von Mobilisierung und Kulturentwicklung. Sie zeigt neben dem unternehmensspezifischen Purpose die übergreifende Entwicklungsrichtung von Unternehmenskulturen an. Wenn man beim Purpose vom Nordstern und bei den neuen Kulturentwicklungsinstrumenten von einem GPS-Instrument sprechen kann, so ist der Übergang zur "Cellularity" mit dem Übergang vom fahrergelenkten Fahrzeug zum selbstfahrenden Auto zu vergleichen. Unternehmen der Zukunft werden eine Kultur besitzen, die es ihnen ermöglicht, sich rasend schnell, ohne zentrale Steuerung und Bürokratie selbst permanent neu zu erfinden. Genau das hält sie lebendig und bemächtigt sie zur echten Zukunftsgestaltung.

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