12.11.2019 
E-Health-Vorstoß

Wie Google unauffällig Millionen Patientendaten sammelte

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Nach Apple, Amazon und IBM hat nun auch Google den Gesundheitsmarkt für sich entdeckt und setzt zur Aufholjagd gegenüber der Tech-Konkurrenz an. Und da gleich an mehreren Fronten: Zum einen durch die vor kurzem verkündete Milliardenübernahme des Fitness-Band-Pioniers Fitbit. Zum anderen über eine bislang unbekannte Kooperation mit einem der größten Gesundheitsversorger der USA, über die Google offenbar bereits Zugang zu den Gesundheitsdaten von Millionen US-Amerikanern gewonnen hat.

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" läuft das Projekt unter dem Codenamen "Nachtigall" bereits seit 2018. Der Tech-Konzern soll darüber Zugriff auf Daten wie Name, Geburtsdatum, Laborbefunde, Diagnosen sowie Krankenhausaufenthalte bekommen haben.

Laut Google handelt es sich dabei um eine Zusammenarbeit im Cloud-Bereich mit dem katholischen Kliniknetzwerk Ascension, einem Zusammenschluss von 2600 Gesundheitseinrichtungen in 21 US-Staaten. Ziel des Projektes ist es laut Ascension KI-Anwendungen im Gesundheitsbereich zu entwickeln, die die Wirksamkeit klinischer Behandlungen sowie die Patientensicherheit verbessern sollen.

Patienten wussten nichts von Weitergabe ihrer Daten

Allerdings waren die Patienten - ebenso wie viele Ärzte - offenbar nicht über die Weitergabe der Patientendaten informiert. Google betonte, dass datenschutzrechtlich alles in geordnetes Bahnen verlaufen sei. Wie das "WSJ" unter Berufung auf Datenschutzexperten weitere berichtete, ist deren Einverständnis gemäß US-Gesetzen allerdings auch nicht nötig, solange die Daten zu dem Zwecke genutzt werden, den Betreiber bei der Ausübung seiner Funktion auf dem Gesundheitsmarkt zu unterstützen.

Welche Anwendungen Google bei seiner Kooperation mit Ascension genau im Sinne hat, und wofür Google die Daten der Millionen Fitbit-Nutzer verwenden will, ist noch unklar. Bislang hatte Google nur erklärt, letztere nicht für gezielte Werbung verwenden zu wollen.

Das nach Amazon, IBM und Apple nun auch Google seinen Teil vom boomenden Gesundheitsmarkt abhaben will, ist wenig überraschend. Alleine das Volumen des sogenannte E-Health-Marktes dürfte nach Schätzungen von Marktforschern bis 2025 jährlich um mehr als 27,7 Prozent auf bis zu 509,2 Milliarden Dollar (rund 461,6 Milliarden Euro) wachsen.

Allerdings ist Google mit seinem Engagement recht spät dran. IBM mit seinem KI-Programm Watson und Apple mit seinen Health Anwendungen sind schon deutlich länger auf dem Markt.

Und auch Amazon hat in den vergangenen Monaten im Gesundheitsbereich mächtig Gas gegeben. So kaufte der Technologiekonzern im Sommer 2018 mit PillPack für knapp eine Milliarde Dollar eine Online-Apotheke. Der Online-Händler entwickelte eine künstlich-intelligente Software, die Ärzten und Krankenhäusern dabei helfen soll, die Behandlungen von Patienten zu optimieren und dabei gleichzeitig Kosten zu sparen, indem die Software digitalisierte Patientenakten nach relevanten Informationen durchpflügt. Zudem gründete Amazon-Chef Jeff Bezos zusammen mit Warren Buffets Berkshire Hathaway and JP Morgan Chase ein Unternehmen, das zunächst für Firmen und später für die breite US-Öffentlichkeit Gesundheitslösungen entwickeln soll. Und auch der Amazon-Assistent Alexa soll künftig offenbar Gesundheitsdienstleistungen übernehmen können.

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