30.06.2015 
Vertrag mit DVAG für Ex-BVB-Trainer

Neuer Trainerjob: Jürgen Klopp coacht Vermögensberater

Von Frieder Schilling, SPONSORs

Die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) hat Jürgen Klopp unter Vertrag genommen. Der scheidende BVB-Trainer soll allerdings kaum in der klassischen Werbung, sondern in der internen Weiterbildung eingesetzt werden. Was steckt dahinter?

Begegnungen mit erfolgreichen Menschen, die von ihrem Weg berichten, seien schon immer "ein Teil der Unternehmenskultur" gewesen, sagt Holger Zindt, Bereichsvorstand Marketing der DVAG. Partner wie die Weltklassefechterin Britta Heidemann oder der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes, Hans-Dieter Flick, hätten schon früher auf internen Veranstaltungen des Finanzdienstleisters über ihre Erfolgsformeln berichtet. "Aber erst jetzt", sagt Zindt, "sollen diese Begegnungen systematisch und inhaltlich von uns begleitet und in die Ausbildung der Vermögensberater eingebunden werden."

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Aushängeschild auf dem Weg der DVAG soll der ehemalige BVB-Trainer Jürgen Klopp sein. Zindt bezeichnet ihn nicht als Testimonial, sondern als "Markenbotschafter". Die Entwicklung der Marke DVAG ist eine der Aufgaben des früheren Geschäftsführers der Agentur Akzio. Er sieht das als "gesamtunternehmerische Aufgabe", die nicht nur über klassische Marketingtools zu bewältigen sei. Es sei stattdessen extrem wichtig, in diesen Prozess auch die rund 14.000 hauptberuflichen Vermögensberater des Unternehmens einzubinden. Und da kommt Klopp ins Spiel.

Kein Partner, sondern ein "Coach"

Der zweifache Meistertrainer soll künftig für die DVAG das tun, was er sowieso schon seit vielen Jahren professionell macht: coachen. Klopp wird auf der Website des Unternehmens auch nicht wie die anderen unter Vertrag stehenden Sportpersönlichkeiten als "Partner" bezeichnet, sondern explizit als "Coach".

Im Herbst dieses Jahres, so ist es aktuell geplant, wird der frühere Innenverteidiger erstmals vor rund 100 Vermögensberatern stehen und referieren. Sie coachen. Laut Zindt ist Klopp aktuell gemeinsam mit der Ausbildungsabteilung der DVAG dabei, dieses Tagesseminar inhaltlich zu entwickeln.

Eines der Hauptthemen soll dabei "Identifikation als Geheimnis des Erfolges" heißen. "Sie können Klopp nachts wecken und er spricht drei Stunden lang aus dem Stegreif über diesen Punkt", sagt Zindt. Und diese loyale Hingabe sei auch für die DVAG ein "wichtiges Thema". Denn auch das Unternehmen lebe letztlich davon, dass sich die Vermögensberater mit der DVAG identifizieren und die Idee und das Bild ihres Arbeitgebers authentisch weitertragen.

Identifikation als Geheimnis des Erfolgs

Klopp soll zudem darüber sprechen, wie man sich Ziele und auch Zwischenziele setzt. Aber auch, wie es ist, Ziele zu verpassen, und wie darauf reagiert werden kann. Laut Zindt soll Klopp "machen, was er am besten kann: coachen und sich mit Talenten beschäftigen und diese von seinen Erfahrungen profitieren lassen".

Für klassische Werbung wird der 47-Jährige dagegen kaum eingesetzt, die Vermögensberater können lediglich auf Werbemittel zurückgreifen, in denen Klopp eingebunden ist - beispielsweise Anzeigenbausteine. Diese sollen jedoch nicht für den externen Kundenkontakt, sondern primär zum Recruiting neuer Kollegen genutzt werden. Klopp und die DVAG haben bereits einen Film gedreht, der für das Thema Recruiting eingesetzt wird. Die Vermögensberatung selbst verbreitet den Spot nicht aktiv, er soll sich über die Kontakte und Plattformen der Berater multiplizieren. Doch warum spielt das Recruiting so eine große Rolle für die DVAG?

Nach rund 40 Jahren Wachstum bei der Zahl der Vermögensberater muss das Unternehmen erstmals Stagnation in diesem Bereich feststellen. Laut Marketingvorstand Zindt sind der demografische Wandel und das angeschlagene Ansehen der Finanzbranche Gründe dafür. Der DVAG gehe es zwar nicht darum, ihr Image mit Klopp aufzupolieren. Doch Zindt weiß auch: "Bei einer Botschaft, die mit Jürgen Klopp verbunden wird, ist die Aufmerksamkeit gemeinhin hoch."

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In der Praxis sieht der Einsatz von Klopp wie folgt aus: Vier- bis fünfmal pro Jahr soll der Trainer, der einen Dreijahresvertrag unterschrieben hat und nach SPONSORS-Informationen dafür jährlich eine hohe sechsstellige Summe erhält, ein Seminar halten. Rund 500 Vermögensberater werden also jährlich in den Genuss eines Coachings kommen - und Klopp steht durchaus unter Druck, damit dies kein reines "Meet & Greet" wird. Denn alle 14.000 Berater sind rechtlich selbstständig, "und jeder Tag, den sie nicht draußen verbringen, ist ein unproduktiver Tag für sie", sagt Zindt. "Wenn die Berater zu Schulungen eingeladen werden, die ihnen nichts bringen, werden wir da relativ schnelles und direktes Feedback bekommen."

Diesen Text veröffentlichten wir mit freundlicher Genehmigung von SPONSORs , dem Fachmagazin für Sport-Business. Erschienen in der Mai-Ausgabe von SPONSORs.

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