07.11.2019 
Digitalisierung im Gesundheitswesen

Was Ärzte von Künstlicher Intelligenz und Telemedizin halten

Von

Die Digitalisierung greift auch in die Medizinbranche ein: Das ist politisch so gewollt und gesetzlich zum Teil bereits verankert. Den Beweis dafür tragen die Versicherten längst mit sich: die elektronische Gesundheitskarte. Die Karte mit Lichtbild speichert bereits die Stammdaten des Patienten. Sie soll um Anwendungen wie zum Beispiel Medikationsplan, Notfalldaten oder die elektronische Patientenakte ergänzt werden - alles zum Wohle des Patienten und die Daten gut geschützt, lautet zumindest die Absicht.

Digitale Gesundheitsanwendungen per App als kassenärztliche Leistung (ab 2020), elektronische Patientenakte und E-Rezept (ab 2021), Online-Sprechstunde und Telemedizin (bereits möglich) - wenn die notwendige Infrastruktur erst mal steht, könnten die neuen Angebote das Gesundheitswesen umkrempeln, sagen Experten voraus. Gesetze sollen einen verbindlichen Rahmen schaffen und damit den digitalen Wandel mit vorantreiben.

Unternehmen wie Amazon sehen große Chancen darin, wollen den Markt für elektronische Gesundheitsdienste frühzeitig besetzen. Auch hierzulande bringen sich Unternehmen in Stellung - können Versicherte von 33 Krankenkassen mit der App "Vivy" zum Beispiel bereits ihre medizinischen Dokumente verwalten oder sich an Arzttermine und Medikamenteneinnahme erinnern lassen.

Doch Vorsicht ist angezeigt, vor allem dort, wo es um die Sicherheit und Zugänglichkeit der Daten von Patienten geht. Kürzlich erst wurde bekannt, dass Millionen sensible Patientendaten - auch deutscher Versicherter - teils über Jahre ungeschützt auf Internetservern lagerten.

Daher fordert die Bundesärztekammer, dass die Speicherung und der Transfer der Daten streng gesichert sein müssen. Überhaupt sehen Ärzte und ihre Standesvertretungen viele Fragen der Digitalisierung im Gesundheitswesen noch nicht geklärt:

Wenn etwa Gesundheits-Apps den Weg in die Regelversorgung finden sollen, müssen Ärzte sie zuvor in jedem Fall verordnen, oder können Krankenkassen sie direkt an die Versicherten geben? Können Ärzte verpflichtet werden, diese Daten auszulesen und zu nutzen? Wer prüft valide den tatsächlichen Nutzen solcher Anwendungen? Wer haftet eigentlich dafür, wenn Apps falsch genutzt werden? Wo unterstützt Künstliche Intelligenz (KI) den Arzt, wo ersetzt sie ihn?

Vieles was Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hier vorantreibe, sei in seinen möglichen Konsequenzen noch nicht zu Ende gedacht, lautet die Kritik. Dass Politik, Krankenkassen und Ärzte in diesem Prozess teils unterschiedliche Interessen verfolgen, liegt auf der Hand.

Glaubt man einer repräsentativen Umfrage durch das Institut für Demoskopie im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP, versprechen sich die Ärzte von der fortschreitenden Digitalisierung vor allem Lösungen für den wachsenden bürokratischen Aufwand, den 80 Prozent als das größte Problem in ihrer Tätigkeit sähen. Mehr als die Hälfte der Ärzte rechne gleichwohl damit, dass die Digitalisierung die Medizin grundlegend ändern werde.

Knapp die Hälfte (47 Prozent) der befragten Mediziner bewertet Künstliche Intelligenz (KI) als Chance, 38 Prozent sehen darin eher Risiken - den möglichen Auswirkungen der KI auf ihre Arbeit steht die Ärzteschaft also offensichtlich gespalten gegenüberstehen. Gleichwohl eint sie weitgehend die Überzeugung, dass der technische Fortschritt die ärztliche Expertise nicht ersetzen können wird: 83 Prozent sehen die entscheidende Rolle in der Gesundheitsversorgung künftig weiter bei menschlichen Ärzten.

1 | 2

Mehr zum Thema