05.04.2019 
Erfolgreiche Elektroautos

Streetscooter-Gründer muss Post verlassen

Von Frank Dohmen, "Der Spiegel"

Die Elektrowagen der Post-Tochter Streetscooter sind ein riesiger Erfolg - doch Konzernchef Frank Appel ist das offenbar unheimlich: Im Streit um die künftige Ausrichtung musste nun der Erfinder der Fahrzeuge gehen.

Achim Kampker gilt als Erfinder der Elektrofahrzeuge Streetscooter, die der Post in den vergangen Jahren nicht nur ein gutes Image sondern auch große Erfolge beschert haben. Doch im Streit mit Post-Chef Frank Appel muss der einstige Chef der Tochterfirma das Unternehmen nun verlassen.

Um den von Kampker aufgebauten Hersteller von Elektrotransportern tobt in der Post seit Monaten bereits ein Machtkampf. Auf der einen Seite steht der mächtige Post-Chef und ehemalige McKinsey-Berater Appel. Ihm ist der Erfolg der unkonventionellen Autobauer aus Aachen schon lange unheimlich.

Der Hochschulprofessor und Ingenieur Kampker hatte mit wenig Geld und einer bunten Truppe von meist unerfahrenen Ingenieuren eine im Konzern einzigartige Wertsteigerung auf mehre Milliarden Euro Firmenwert geschafft und der angestaubten Post ganz nebenbei auch noch ein völlig neues Image verpasst.

Im Video: Das Märchen vom Streetscooter

Doch Appel ist dieser Erfolg offenbar suspekt - und womöglich ist es ihm sogar peinlich, als schnödes Logistikunternehmen die großen Autobosse wie Daimler-Chef Dieter Zetsche oder Herbert Diess von VW auf deren eigenem Terrain anzugreifen.

Auch deshalb würde der Post-Chef das Tochterunternehmen Streetscooter am liebsten gewinnbringend verkaufen. Wären da nicht der damit verbundene Imageverlust - und Appels Gegenspieler, die Streetscooter zu einer echten Marke im neuen Markt für E-Mobile ausbauen wollten und dafür schlagkräftige Partner suchten.

Kampker strebte eine Partnerschaft mit Schaeffler an

Einer dieser Gegenspieler war der eher raubeinige Selfmade-Manager Jürgen Gerdes. Als langjähriger Chef der Brief-und Paketsparte hat er die Umstellung des Logistikkonzerns auf E-Mobile sehr früh schon vorangetrieben, nach passenden Fahrzeugen gesucht und schließlich Achim Kampker mit seiner aus der Technischen Hochschule Aachen ausgegründeten Bastel- und Innovationsbude für E-Mobile gefunden. Gerdes gab Geld und Rückendeckung, Kampker lieferte Wissen und Ideen. So entstand Streetscooter - eine Erfolgsgeschichte.

Doch Gerdes und seine stetig wachsende Autofirma wurden dem Postchef zu mächtig. Und da Gerdes in seiner Streetscooter-Euphorie sein eigentliches Geschäftsfeld, die Briefe und Pakete, ein wenig aus den Augen verlor, nutzte Appel die Rückgänge im Postgeschäft, um Gerdes kurzerhand aus dem Konzern zu drängen.


Lesen Sie auch: Jörg Sommer lenkt künftig Streetscooter


Anschließend engagierte Appel für Streetscooter einen Profimanager aus der Autobranche, Jörg Sommer. Er soll den Auftrag haben, die Firma noch ein wenig hübscher und profitabler zu machen, um sie dann für ein paar Milliarden an die begierige Konkurrenz zu verscherbeln.

Gerdes und Kampker hatten allerdings schon früh eigene Pläne und Gespräche eingefädelt. Sie suchten einen potenten Partner, mit dem sie Streetscooter zu einer eigenständigen und unabhängigen Marke entwickeln konnten und hatten ihn mit dem Autozulieferer Schaeffler schließlich auch gefunden.

Nach Gerdes Rausschmiss führte Kampker die Kontakte und Gespräche mit Schaeffler weiter. Hochrangige Mitarbeiter bei der Post und im Aachener Werk berichten, dass ein Abschluss in greifbarer Nähe gewesen sein soll. Doch jetzt ist auch Kampker weg.

Die Post weist all das ins Reich der Legende. Das seien haltlos und unwahre Unterstellungen. Man habe sich einvernehmlich von Kampker auf dessen "eigenen Wunsch" getrennt und werde mit dem verdienten Ingenieur auch in Zukunft vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Kampker selbst schweigt. Er hat sich in sein Institut an der Hochschule in Aachen zurückgezogen und bastelt schon an neuen Projekten in Sachen Mobilität. Ganz sicher nicht für die Deutsche Post.

Mehr zum Thema