30.01.2017 
Eklat nach Ärger mit dem Aufsichtsrat

Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube schmeißt hin

Rüdiger Grube fügt der turbulenten Geschichte des Staatskonzerns Deutsche Bahn ein spektakuläres Kapitel hinzu. Am Montag trat der Konzernchef mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück, wie das Unternehmen am späten Vormittag bestätigte. Zuvor hatte der Aufsichtsrat einstimmig der entsprechenden Bitte Grubes entsprochen. Die Modalitäten für die Auflösungsvereinbarung solle der Personalausschuss klären, Finanzchef Richard Lutz werde Grubes Posten kommissarisch übernehmen. Der Aufsichtsrat werde bald über einen Nachfolger entscheiden.

Aufsichtsrat wollte Vertrag wohl nur um zwei Jahre verlängern

Nach Informationen von manager-magazin.de trat Grube unter anderem wegen des Streits um seine geplante Vertragsverlängerung zurück. Grube warf dem Kontrollgremium vor, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben. Ihm sei zuvor eine Vertragsverlängerung um drei Jahre bis Ende 2020 zugesichert worden, er habe im Gegenzug auf eine Gehaltserhöhung verzichtet, hieß es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. In der Sitzung der Kontrolleure am Montag habe man dem Manager dann aber doch nur zwei weitere Jahre als Vorstandschef geben wollen.

Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht würdigte Grubes Verdienste für den bundeseigenen Konzern und dessen "ungewöhnlich großen Einsatz. (...) Die Digitalisierung der DB ist ebenso mit seinem Namen verbunden wie das Qualitätsprogramm "Zukunft Bahn".

(Lesen Sie hier auch den Kommentar unseres Reporters Michael Machatschke zum Abgang Grubes)

Grube wollte seinen Arbeitsplatz noch am Montag verlassen. Erwartet worden war eigentlich, dass der Aufsichtsrat heute den Vertrag Grubes verlängert. Über die Frage, wie lange der Kontrakt verlängert werden würde, hatte es zuletzt immer wieder widersprüchliche Medienberichte gegeben. Auch die bei solchen Verlängerungen oft übliche Gehaltserhöhung war ungewiss.

Grube verdiente 2015 rund 1,4 Millionen Euro

Der 65-Jährige war seit 2009 Vorstandschef des bundeseigenen Konzerns mit weltweit 300.000 Angestellten und rund 40 Milliarden Euro Umsatz. Er übernahm die Führung nach der Affäre um massenhafte Ausspähung von Mitarbeiter-E-Mails unter seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn.

Durch den Kauf der Auslandsverkehrstochter Arriva trieb er die internationale Ausrichtung voran. Allerdings rutschte das Unternehmen 2015 erstmals seit zwölf Jahren in die roten Zahlen. Zuletzt konnte Grube aber auf ein verbessertes Ergebnis und eine gestiegene Pünktlichkeit der Züge verweisen.

Der Topmanager bezog eine Festvergütung von 900.000 Euro im Jahr. Inklusive Boni verdiente er im Geschäftsjahr 2015 gut 1,4 Millionen Euro.

mg/dpa/afp

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