21.10.2019 
Neue Hybridanleihen lindern Schuldendruck

Deutsche Bahn wird Arriva 2019 nicht mehr verkaufen

Die Deutsche Bahn wird Konzernkreisen zufolge ihre britische Nahverkehrstochter Arriva in diesem Jahr doch nicht mehr verkaufen. "Weder ein Börsengang noch der Verkauf an Investoren wird dieses Jahr noch umzusetzen sein", sagten mit den Plänen Vertraute am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Sowohl das Ringen um den Brexit als auch die vertiefte Prüfung der Arriva-Bücher wirke sich auf den Zeitplan aus. Zudem sei durch die Ausgabe sogenannter Hybrid-Anleihen im Volumen von zwei Milliarden Euro der Druck auf den hochverschuldeten Staatskonzern gesunken, schnell Erlöse einstreichen zu müssen.

Eine Bahn-Sprecherin sagte, der Konzern gehe nach wie vor davon aus, dass man noch dieses Jahr eine Entscheidung haben werde, welcher Weg beim Verkauf beschritten wird.

Die Deutsche Bahn bereitet sowohl einen Börsengang von Arriva in Amsterdam als auch eine Direktverkauf an Investoren vor. Zuletzt im Rennen waren den Konzernkreisen zufolge noch Apollo und Carlyle. Der Wert von Arriva wird auf drei bis vier Milliarden Euro geschätzt, wobei die Schulden des Unternehmens von über einer Milliarde Euro die eigentlichen Zahlungen reduzieren werden.

Trick mit Hybridanleihen verschafft der Bahn finanziell etwas Luft

Die Deutsche Bahn war zur Jahresmitte mit mehr als 20 Milliarden Euro verschuldet. Sie ist damit weit davon entfernt, ihre Investitionen selbst bezahlen zu können. Das hatte im September auch der Bundesrechnungshof betont und den Verkauf von Arriva dringend angemahnt beziehungsweise den Staatskonzern aufgefordert, den Verkauf der Logistiktochter Schenker zu prüfen. Druck kommt auch vom Bundestag, der der Bahn eine Verschuldungsgrenze gezogen hatte, die inzwischen erreicht ist.

Die Ausgabe der Hybrid-Anleihen hatte die Lage aber zuletzt entspannt. Zwar müssen dafür höhere Zinsen als bei normalen Anleihen gezahlt werden. Die Hybrid-Anleihen werden wegen spezieller Regelungen zuungunsten der Investoren jedoch in der Bilanz auf das Eigenkapital und nicht auf die Schulden angerechnet.

Arriva mit Sitz in Großbritannien war 2010 von der Bahn gekauft worden. Die Firma erzielt mit über 50.000 Mitarbeitern europaweit einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro.

rei mit dpa

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