21.05.2019 
Buchtipp: "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert"

Der neue Harari: Untergangsszenarien, wohlportioniert.

Von , Eva Müller, und

Der neue Wurf des israelischen Historikers, der mit "Eine kurze Geschichte der Menschheit" und "Homo Deus" bereits zweimal die weltweiten Bestsellerlisten anführte und in der Welt der Sachbücher Rockstar-Status genießt, ist komplexer Stoff. Beruhigend für geübte Harari-Leser: Die Themen kennt man schon - die Kritik an der Massentierhaltung, die Warnung vor dem Klimawandel und der zerstörerischen Macht der Algorithmen, die Sorge um das Fortbestehen der westlichen Gesellschaftsordnung. Und wer ein besonders beweglicher Mediennutzer ist, konnte wesentliche Teile des Werks auch schon in internationalen Zeitungen lesen.

Das Besondere diesmal: Harari tobt sein Talent, Alltagsbeobachtungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus verschiedensten Disziplinen zu einem zwingenden Erzählfluss zu verbinden, nicht in der Vergangenheit oder Zukunft aus, sondern im Hier und Jetzt. Natürlich geht es wieder düster zu: Der auf Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Wohlstand gegründete behagliche Liberalismus des Westens hat so gut wie abgewirtschaftet, die großen alten Mythen - Religion und Nation - sind wirkungslos geworden oder befördern das gefährliche Geschäft der Antidemokraten.

Die Menschheit driftet in die Orientierungslosigkeit, was einigen besonders smarten Exemplaren unserer Spezies den Raum eröffnet, künstliche Intelligenz und Datentechnologien unter ihre Kontrolle zu bringen und ihre eigene Existenz auf eine höhere Entwicklungsstufe zu heben, während die breite Masse zurückbleibt.

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So kann es kommen, muss es aber nicht. Darauf weist Harari selbst hin. Er erzählt eben gern und wirft lieber interessante Fragen auf, als Antworten zu präsentieren. Weil sich das Buch in 21 Essays gliedert, kann jedes Kapitel komfortabel auch einzeln gelesen werden. Hararis ultimativer Tipp gegen die Zumutungen unserer Zeit ist übrigens recht simpel: Er setzt auf Meditation.

Eva Buchhorn

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