28.01.2020 
Boeing 777X

Boeings neuer Hoffnungsträger - der Härtetest kommt noch

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Drei Anläufe hat es an diesem Wochenende gebraucht, dann war alles gut. Die Boeing 777X fliegt. Sichtlich erleichtert zeigte sich Stan Deal, Chef der Boeing-Sparte für zivilen Flugzeugbau, nach dem Erstflug des neuen Modells am Samstag in Everett (US-Staat Washington). Nun ernte man "den Lohn für jahrelange harte Arbeit". An den beiden Vortagen hatten ganz profane Hindernisse zu Flugabsagen geführt: Regen und Wind.

Der neue Langstreckenflieger ist das wichtigste Mittel für den US-Konzern, um seiner Krise zu entkommen - nicht nur symbolisch, um endlich wieder positive Schlagzeilen zu bekommen, sondern auch kommerziell. Die für diesen Mittwoch erwarteten Geschäftszahlen für das Jahresende 2019 dürften noch stark vom Ausfall des Problemfliegers 737 Max geprägt sein - und die für das laufende Jahr auch.

2021 aber, wenn die Boeing 777X laut aktuellem Plan an die ersten Kunden ausgeliefert wird, kann die Wende kommen. Zwar dürfte das Modell bei weitem nicht an die Stückzahlen des Massenmodells 737 Max herankommen - ganze 340 Maschinen der 777X stehen in Boeings Auftragsbüchern; weniger als allein die seit dem Grounding im März auf Halde produzierten 737 Max. Dafür aber sind sie fast viermal so teuer. Mit einem durchschnittlichen Listenpreis von 442,2 Millionen Dollar (ungeachtet der branchenüblichen hohen Rabatte) wird die große Variante 777-9 zu Boeings neuem Flaggschiff.

Liebherr liefert faltbare Flügelspitzen für 777X

Das Modell ist für mehrere Superlative gut. Boeing spricht vom "größten und sparsamsten zweistrahligen Flugzeug der Welt". Sogar die Passagiere dürfen sich freuen. Luft, Licht und Lärm sollen im Innenraum der 777X deutlich angenehmer werden.

Für Luftfahrtenthusiasten noch beeindruckender sind die vom Zulieferer Liebherr entwickelten faltbaren Flügelspitzen, mit denen auch die extrabreiten Tragflächen noch auf die Stellplätze der herkömmlichen Boeing 777 passen.

Furore macht auch das neue Triebwerk GE9X mit einer Schubkraft von 470 Kilo-Newton - doch gerade dieser Stolz des Zulieferers General Electric schmälert die Erfolgsgeschichte der 777X. Weil sich einige Teile des neu entwickelten Supermotors als verschleißanfällig erwiesen, musste kurzfristig Ersatz her. Daher verzögerte sich der Zeitplan um rund ein Jahr.

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