14.05.2019 
3. Glyphosat-Prozess in USA verloren, Investoren zweifeln

"Bayer steht mit dem Rücken zur Wand"

Bayer soll zwei Milliarden Dollar an ein krebskrankes Ehepaar zahlen, will gegen das Urteil in den USA aber vorgehen. Es ist bereits das dritte negative Urteil gegen den Konzern, weitere könnten folgen. Investoren zweifeln zusehends, fürchten enorme Lasten für Konzern und Aktie. Die Anwälte des Ehepaars erheben schwerste Vorwürfe gegen Monsanto.

Der Druck auf Bayer steigt: Der Pharma- und Agrarchemiekonzern hat in den USA auch den dritten Prozess wegen des Unkrautvernichters Glyphosat verloren. Die Geschworenen des Gerichts im kalifornischen Oakland urteilten, dass Bayer mehr als zwei Milliarden Dollar Schadenersatz an das krebskranke Ehepaar Alva und Alberta Pilliod (beide 76 Jahre) zahlen müsse. Es macht die jahrzehntelange Verwendung des Unkrautvernichters Roundup, der Glyphosat enthält, der Bayer-Tochter Monsanto für seine Erkrankung verantwortlich.

Bayer will gegen die Entscheidung der Jury Rechtsmittel einlegen. Der Konzern gerät mit dem jüngsten Urteil immer mehr in Bedrängnis: "Bayer steht mit dem Rücken an der Wand", sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer beim Aktionärsverband DSW, zu Reuters. "Das Schicksal liegt jetzt alleine in den Händen der Richter in den Berufungsverfahren."

An der Börse schlug das Urteil hohe Wellen: Bayer-Aktien fielen in der Spitze bis zu 5 Prozent auf den tiefsten Stand seit 2012 und waren zwischenzeitlich mit Abstand größter Verlierer im Dax. Nach Einschätzung von Analyst Markus Mayer von Baader Helvea hat das Risiko weiter zugenommen, dass Bayer in das Visier von aktivistischen Investoren gerät oder ein Übernahmeziel wird. An der Börse hat sich der Wert des Konzerns seit Juni vergangenen Jahres um mehr als 40 Prozent veringert. Der Hedgefonds Elliott, der Insidern zufolge mit unter 3 Prozent bei Bayer eingestiegen ist, hält sich bislang bedeckt.

DWS: Kursentwicklung wird von Gerichten abhängen

"Die weitere Kursentwicklung von Bayer wird auf unabsehbare Zeit von den Nachrichten aus den Gerichtssälen abhängen. Es stellen sich viele Fragen nach der Due Diligence, Fragen ob diese wirklich vollumfänglich war, welche Risiken schon vorher erkannt und bewertet wurden und wie das Unternehmen vor allem zukünftig mit diesen Risiken umgehen wird", sagte Nicolas Huber, Head of Corporate Governance bei der DWS.

Die großen deutschen Fondshäuser hatten die Bayer-Führung bereits auf der Hauptversammlung Ende April kritisiert, die mit der Monsanto-Übernahme verbundenen Rechtsrisiken unterschätzt zu haben. Der Vorstand um Bayer-Chef Werner Baumann wurde nicht entlastet, ein bis dahin einmaliger Vorgang bei einem Dax-Konzern.

Bei Investoren sinkt Zuversicht, Experten erwarten teuren Vergleich

In den USA gibt es inzwischen etwa 13.400 Kläger wegen des von Monsanto entwickelten Herbizids Glyphosat. In zwei Fällen wurde der Konzern bereits zu Schadenersatzzahlungen von insgesamt knapp 160 Millionen Dollar verurteilt. Im Fall des Ehepaars Pilliod, die an Lymphdrüsenkrebs erkrankt sind, befand die Jury, dass das Unternehmen es versäumt habe, vor dem Krebsrisiko des Herbizids zu warnen, und fahrlässig gehandelt habe. Sie verurteilte Bayer zu Strafschadenersatz von zwei Milliarden und Schadensersatz von 55 Millionen Dollar. Der hohe Strafschadenersatz dürfte aber gesenkt werden, da der Oberste Gerichtshofs der USA das Verhältnis von Strafschadenersatz zu Schadenersatz in vorherigen Entscheidungen auf 9:1 begrenzt hat.

Bayer hat zwar Berufung eingelegt oder angekündigt, viele Experten gehen aber letzten Endes von einem teuren Vergleich aus. "Es zeigt wieder, dass sich Bayer mit der Akquisition erhebliche rechtliche und finanzielle Risiken eingekauft hat, die sich zum heutigen Zeitpunkt nur schwer quantifizieren lassen", sagte Fondsmanager Markus Manns von Union Investment zu Reuters. "Mit jedem negativen Urteil sinkt die Zuversicht, dass das zukünftige Settlement bei etwa fünf Milliarden Dollar liegen wird, wie von vielen Analysten geschätzt."

Die Ratingagentur Moody's hatte zuletzt durchgerechnet, dass Bayer einen Vergleich von bis zu fünf Milliarden Dollar verkraften könnte, über 20 Milliarden aber schwer verdaulich wären. Der Rechtstreit wird sich jedenfalls noch Jahre hinziehen.

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